Ich war nie die Person, die beim Marktbesuch zur Gemüsetheke greift. Ich war diejenige, die sich zuerst auf die Bratwurst stürzte. Veganes Essen? Weit weg von meiner Welt – bis das Leben anders entschied.
Auf Märkten und Volksfesten waren Käsefladen mit Speck oder würzige Wurstsemmeln meine festen Favoriten. Zuhause landeten oft Hühnchengerichte auf dem Tisch. Fleischlose Suppen und Pasta gab es zwar auch – aber vegane Küche war für mich schlicht kein Thema. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.
Wenn der Körper neue Regeln setzt
Vor einigen Jahren wurde festgestellt, dass ich mehrere Lebensmittelunverträglichkeiten habe. Milchprodukte, Eiweiß und Gluten mussten von einem Tag auf den anderen aus meiner Ernährung verschwinden.
Was zunächst wie eine massive Einschränkung wirkte, öffnete überraschend viele neue Türen. Meine allergenfreie Ernährung führte mich ganz automatisch in Richtung veganer Alternativen – und ich begann, Zutaten zu entdecken, die ich vorher schlicht ignoriert hatte.
Reissahne, veganer Sauerrahm, Kokosjoghurt – plötzlich waren das keine Kuriositäten mehr, sondern meine Alltagszutaten. Und mit dem Wegfall von Ei und Gluten kamen Pasta-Sorten aus braunem Reis, roten Linsen, Hirse und Buchweizen in meine Küche.
Die ersten echten Schritte in die vegane Welt
Parallel zu diesen Veränderungen zuhause entdeckte ich ein glutenfreies veganes Restaurant in meiner Stadt – lange Zeit der einzige Ort, an dem ich bedenkenlos essen konnte. Und genau dort begann sich mein Blick auf veganes Essen wirklich zu weiten.
Vegane Burger, Tortillas, sättigende Tagesmenüs, kreative Eintöpfe und überbackene Gerichte – bei keinem einzigen davon hatte ich das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen. Dieses Restaurant besuche ich bis heute gerne, auch wenn sich meine Möglichkeiten inzwischen erweitert haben.
Frühstück neu gedacht
Mit der Zeit merkte ich, dass immer mehr vegane Gerichte ganz selbstverständlich in meinen Alltag eingeflossen sind – besonders beim Frühstück. Cremiger Avokadoaufstrich oder Kichererbsencreme auf glutenfreiem Toast oder gepufftem Reis sind inzwischen feste Lieblinge. Wer es süßer mag: Ein pflanzlicher Joghurt mit Granola, Samen und frischem Obst ist in wenigen Minuten fertig – und erstaunlich sättigend.
Ein bewusster Entschluss: das vegane Wochenende
Seit meiner Kindheit gibt es eine Tradition in meinem Leben: Karfreitag und Karsamstag esse ich kein Fleisch. Dieses Jahr habe ich das einen Schritt weitergedacht. Da ich bereits am Donnerstag ohne Fleisch gekocht hatte, entstand ganz organisch ein dreitägiges veganes Wochenende.
Kein großes Experiment, kein Manifest – einfach drei Tage, die mich mehr gelehrt haben, als ich erwartet hätte.
Die Erkenntnis, die alles verändert hat
In diesen drei Tagen wurde mir wirklich klar, wie unglaublich vielfältig vegane Ernährung sein kann.
Wichtig dabei: Vegan bedeutet nicht automatisch gesund. Die Qualität der Zutaten, die Zubereitung und die Ausgewogenheit spielen genauso eine Rolle wie bei jeder anderen Ernährungsweise.
Aber wenn man auf diese Dinge achtet, entstehen Gerichte, die wirklich begeistern. Bei uns gab es zum Mittagessen zum Beispiel eine neu interpretierte Kartoffelnudel-Variante – aus Reis-Hirse-Pasta, mit Olivenöl und eingelegter Gurke. Ein einfaches Gericht, das in der veganen Version perfekt funktioniert hat.
Voller Geschmack, kein Kompromiss
Am Ende des Wochenendes war mir eines klar: Man muss nicht zwischen gutem Essen und bewusstem Essen wählen. Hochwertige Zutaten, das richtige Gewürz und ein bisschen Kreativität können wahre Wunder wirken.
Ich bin nicht über Nacht zur Veganerin geworden – und das war auch nie das Ziel. Aber dieses Wochenende hat mir eine neue Perspektive geschenkt. Es hat gezeigt, dass fleischlose Ernährung keine Einschränkung ist, sondern eine Einladung, Neues zu entdecken.
Manchmal reichen drei Tage, um die eigene Küche mit völlig anderen Augen zu sehen.











