Wir haben eine Januar-Tradition unter Freundinnen, die wir liebevoll pflegen. Zu Beginn des Jahres – wenn die Motivation noch frisch ist und die Neujahrsenergie uns antreibt – treffen wir uns, gönnen uns einen prickelnden Cocktail und umgeben uns mit bunten Magazinen. Dann greift jede zur Schere und gestaltet ihr persönliches Vision Board für das Jahr.
Ein Vision Board ist vereinfacht gesagt eine visuelle Landkarte: eine Sammlung von Bildern, Worten und Stimmungen, die zeigen, was du in deinem Leben mehr hervorheben möchtest. Es ist keine To-do-Liste, kein Zielplan und auch kein magisches Werkzeug – obwohl einige meiner Freundinnen durchaus an seine spirituelle Kraft glauben. Für mich ist es vor allem ein gemeinsames Ritual, das immer Raum für tiefgründige Gespräche schafft.
Ich glaube nicht daran, dass man mit einem Stück Pappe Dinge „anziehen“ kann. Aber ich bin überzeugt, dass das, was du regelmäßig siehst, dich erinnert. Es hält deinen Fokus. Es zieht dich zurück, wenn du aus der Bahn gerätst, und hilft dir das ganze Jahr über, dich daran zu erinnern, wofür du arbeitest. Deshalb sind diese Dinge auf meinem Vision Board 2026 gelandet.

Berufliche Entwicklung – aber anders als bisher
Der stärkste Fokus meines diesjährigen Vision Boards liegt auf beruflicher Entwicklung. Nicht in Form von Beförderungen oder konkreten Meilensteinen, sondern aus einer sanfteren, aber mutigen Richtung. Ich möchte dieses Jahr mehr aus meinen gewohnten Mustern ausbrechen. Neue Wege ausprobieren, auch wenn ich nicht weiß, wohin sie führen.
Es geht mir nicht um sofortige Ergebnisse, sondern um Neugier. Um freies Ausprobieren. Darum, nicht den ausgetretenen Pfaden anderer zu folgen, sondern den Mut zu haben, meinen eigenen Weg zu gehen – auch wenn er langsamer, verschlungener und manchmal unbequem ist.
Harmonie und Freude – nicht nur Überleben
Letztes Jahr standen auf meinem Board zwei Worte zur Liebe: „Liebe und Dankbarkeit“. Ich war damals schon in einer liebevollen Beziehung, aber wir sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, was viel Arbeit erfordert, um gut zusammenzupassen. Es war wichtig, mich daran zu erinnern, wofür ich dankbar sein kann – denn ich habe jemanden, mit dem ich diese Arbeit teilen kann.
Dieses Jahr möchte ich einen Schritt weitergehen. Nicht nur die Herausforderungen überstehen, sondern die gemeinsamen Erfolge feiern und genießen. Uns erlauben, den Moment zu genießen und zu feiern, wo wir angekommen sind. Und akzeptieren, dass nicht alles erst dann gut wird, wenn wir „fertig“ sind, sondern jetzt. Genau hier, wo wir gerade stehen.
Im Hier und Jetzt sein – denn diese Tage kommen nicht zurück
Als Mutter ist es schwer, ein einziges Ziel zu definieren, denn in dieser Rolle kann man oft nicht einmal abschätzen, welche Herausforderungen der nächste Tag bringt, geschweige denn das ganze Jahr. Als Mutter einer siebenjährigen Tochter weiß ich aber genau: Die Tage, an denen sie noch richtig klein ist und ich ihr Vorbild bin, sind gezählt.
Deshalb steht auf meinem Vision Board dieses Jahr nicht „bessere Mutter“, sondern das bewusste Sein im Moment. Die Absicht, diese Tage nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Mir immer wieder bewusst zu machen: Das sind die Momente, die ich im Alter vermissen werde – und mich daran zu erinnern, jeden einzelnen zu genießen.

Und natürlich: meine Freundinnen
Mit ihnen gestalte ich jedes Jahr dieses Board. Bei ihnen kann ich offen sagen, was ich mir wünsche, wovor ich Angst habe und wo ich gerade feststecke. Ich hoffe, dass sie auch 2026 ein Teil meines Lebens bleiben. Nicht nur auf diesem Karton, sondern in meinem Alltag.
Für mich ist das Vision Board kein Versprechen für die Zukunft. Es ist eher eine Erinnerung daran, worauf ich achten möchte, während das Leben – auf seine unvorhersehbare Weise – weitergeht. Und manchmal kann gerade ein Stück Pappe unser stärkster Kompass sein.











