Reden hilft mehr als sortieren
Der unterschätzte Teil ist das Gespräch. Wir nehmen an, die Tochter wolle das gute Porzellan und der Sohn die Werkzeugsammlung – und liegen oft daneben. Frag konkret und ohne Pathos: Möchtest du das haben, ja oder nein? Ein ehrliches Nein tut kurz weh und erspart allen jahrelanges Einlagern von Dingen aus Pflichtgefühl. Umgekehrt kommen dabei Überraschungen ans Licht: die abgestoßene Blechdose aus der Küche, der alte Kochlöffel, das Bild aus dem Flur. Was Erinnerung trägt, ist selten das Wertvollste.
Und alles, was du behältst, verdient einen Zettel. Ein Satz genügt: woher es kommt, wem es gehörte, warum es dir etwas bedeutet. Ohne diesen Satz ist eine Vase nur eine Vase.
Ist Döstädning nicht etwas für alte Menschen?
Diesen Einwand hört man oft, und er hält der Praxis nicht stand. Sinnvoll wird die Methode in dem Moment, in dem sich Besitz anhäuft, den man nicht mehr überblickt – bei vielen ist das mit Mitte dreißig, spätestens nach dem zweiten Umzug oder dem ersten Kind. Man räumt dabei ja nicht das Leben zusammen, sondern schafft Platz für das, was gerade läuft. Wer früh anfängt, muss später nie in einer belastenden Lebensphase Kisten schleppen.
Was mache ich mit Fotos und Briefen, die niemand haben will?
Das ist der schwerste Teil, deshalb kommt er ganz zum Schluss – und du darfst dir dafür Monate lassen. Ein guter Mittelweg: Wähle pro Jahr oder pro Person eine kleine Auswahl aus, die wirklich etwas erzählt, und scanne oder fotografiere den Rest in Ruhe ab, bevor du ihn gehen lässt. Alles, was zu persönlich für fremde Augen ist, wandert in den beschrifteten Karton. So bleibt die Erinnerung, ohne dass ein ganzer Schrank sie bewachen muss.











