Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie die Ergebnisse regelmäßiger Bewegung an ihrem Körper sehen und betrachten ihren sich wandelnden Körper zufrieden im Spiegel. Für mich war das eine ganz andere Erfahrung.
Ich habe nicht angefangen, regelmäßig zu trainieren, weil ich mit meinem Aussehen unzufrieden war. Ich hatte kein konkretes „Vorher-Nachher“-Bild im Kopf, keine Sehnsucht nach einer auffälligen Veränderung und schon gar nicht nach einem neuen Körper. Mein Grund war viel pragmatischer: Ich weiß, wie wichtig es für eine Frau um die vierzig ist, die Muskelmasse zu erhalten (oder in meinem Fall aufzubauen). Denn Muskelmasse ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern Verbündeter meiner Knochen, meines Gleichgewichts und meiner zukünftigen Beweglichkeit. Was ich jetzt tue, ist eine Art Vorsorge: gegen Osteoporose, Schmerzen und Hilflosigkeit. Denn der Verlust von Muskelmasse trägt erheblich zum Risiko der Osteoporoseentwicklung bei – und als Frau steigt mit dem Alter die Gefahr für beides.
Das Training wurde schnell Teil meines Alltags
Überraschend schnell. Nicht als Pflicht, nicht als „muss erledigt werden“, sondern als etwas, auf das ich mich freue. Es fühlt sich gut an, stärker zu sein, zu spüren, dass mein Körper durchhält und sich anpasst. Und obwohl das nicht mein Ziel war, zeigt sich die Veränderung auch äußerlich. Vielleicht fällt es von außen nicht auf: Wer mich sieht, denkt wahrscheinlich nicht „Wow, die ist total durchtrainiert“. Aber ich sehe und spüre, wie sich mein Körper wandelt. Meine Kleidung spannt am Rücken. Meine Oberschenkel sind dicker und straffer. Mein Körper nimmt an Stellen Raum ein, wo er das vorher nicht tat.
Mein ganzes Leben lang war ich ein schlankes Mädchen. Nicht, weil ich viel dafür getan hätte, sondern weil ich so gebaut bin. Das wurde ein Teil meiner Identität, auch wenn ich mich nie als besonders eitel empfand. Schlanksein war keine Leistung, sondern eine Gegebenheit – und doch gehörte es zu mir. Jetzt sehe ich im Spiegel, wie sich diese Gegebenheit verändert. Sie verschwindet nicht, aber sie ist nicht mehr dieselbe. Und ich war überrascht, wie schwer es ist, das zu akzeptieren.

Es ist schwer, sich daran zu gewöhnen, dass nicht mehr dieselben Kleider passen wie früher. Dass etwas, das früher selbstverständlich „ich“ war, jetzt fremder wirkt. Dass ich noch nicht immer genau weiß, wie ich jetzt bin. Ich bin nicht plötzlich jemand anderes, aber etwas hat sich verschoben. Und diese Verschiebung – so positiv sie auch ist – und so oberflächlich es auch klingen mag:
brachte ein Gefühl von Trauer mit sich.
Es ist seltsam, wie sehr wir an dem festhalten, wer wir waren. Wie schwer es ist, eine Version von uns loszulassen, selbst wenn wir wissen, dass die nächste gesünder, stärker und lebensfähiger ist. Ich musste auch erkennen, dass ich, obwohl ich dachte, immun zu sein, vom Schönheitskult beeinflusst werde, in dem wir leben. Denn obwohl ich weiß, dass mein neuer Körper besser für mich ist, vermisse ich manchmal die frühere, schwächere, aber schlankere Version von mir. Ich weiß, dass das nicht richtig ist, nicht gesund und keine gute Einstellung. Aber um das, was die Schönheitsindustrie mir eingepflanzt hat, zu überschreiben, musste ich zuerst anerkennen, dass es da ist.

Das war eine schmerzhafte, aber wichtige Erkenntnis.
Trotz der Veränderung und obwohl mich manchmal verunsichert, was ich im Spiegel sehe, werde ich mit dem Training nicht aufhören. Ich werde meine Gesundheit nicht für ein Ideal opfern, das Dünnsein über alles stellt. Aber ich lasse mir auch Zeit mit der Akzeptanz. Ich weiß, dass ein langer Weg vor mir liegt. Mein Körper verändert sich – und wird sich in den kommenden Jahren noch viel verändern. Ich muss nicht nur meine Muskeln darauf vorbereiten, sondern auch meine Seele.











