Es braucht keine große Schlagzeile, damit einem beim Spaziergang kurz das Herz rutscht: Da kommt ein unbekannter Hund um die Ecke, die Leine wird plötzlich straff, und innerhalb von zwei Sekunden ist aus einem entspannten Abendrunde-Moment eine Situation geworden, in der alle angespannt sind. Immer wieder wird über eskalierte Hundebegegnungen berichtet, und jedes Mal diskutiert halb Deutschland über Rassen, Maulkorb und Verordnungen. Im realen Alltag entscheidet aber meistens etwas viel Unspektakuläreres darüber, wie ein Treffen ausgeht: die zwanzig Meter davor.
Dein Hund liest dich, bevor er den anderen liest
Hunde sind feine Beobachter. Wenn du die Leine kürzer nimmst, die Schultern hochziehst und die Luft anhältst, hat dein Hund die Information "gleich passiert etwas Wichtiges" bereits bekommen – noch bevor er den anderen überhaupt eingeschätzt hat. Viele Begegnungen beginnen deshalb nicht mit einem Konflikt zwischen zwei Hunden, sondern mit einem angespannten Menschen am anderen Ende der Leine.
Das lässt sich üben, und zwar bewusst in Momenten, in denen gar nichts los ist. Atme beim Erkennen eines anderen Hundes einmal hörbar aus, lass die Leinenhand locker hängen, sprich ruhig weiter. Eine durchhängende Leine gibt deinem Hund Bewegungsspielraum – und genau dieser Spielraum ist es, der ihm erlaubt, höflich zu kommunizieren: wegschauen, den Kopf drehen, langsamer werden. An straffer Leine fallen all diese Signale weg, der Hund steht frontal vor dem anderen, und frontal ist in Hundesprache selten freundlich.





