Es gibt Rezepte, die mehr sind als eine Zutatenliste. Rezepte, bei denen man beim bloßen Gedanken daran schon den Geruch in der Nase hat – und das Gesicht eines Menschen vor Augen, der sie einem beigebracht hat. Genau so eines habe ich geerbt. Und ich bin sicher: Du hast auch so ein Rezept irgendwo in deiner Schublade – eines, das alle kennen, das keiner Erklärung bedarf.
Vor einigen Jahren kam mir das eingelegte Gemüserezept meiner Schwiegereltern in die Hände. Sie hatten jahrelang jeden Herbst große Mengen Mixed Pickles für die ganze Familie eingemacht. Als ihre Gesundheit es nicht mehr zuließ, ging die Aufgabe – und die Verantwortung – an mich über.
Am Originalrezept habe ich genau eine einzige Änderung vorgenommen: deutlich weniger Zucker. Nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern schlicht weil ich eingelegtes Gemüse lieber salzig und leicht säuerlich mag als süßlich. Den Zucker ganz weglassen? Nein – er ist wichtig, damit die Aromen der Gemüsesorten harmonieren und ihr eigener Charakter erhalten bleibt. Nur eben weniger davon.
Das Geheimnis liegt in den richtigen Mengen – und in Geduld
Für die Mixed Pickles braucht man je 2 kg Kohl, Paprika und grüne Tomaten oder Gurken sowie 1 kg Zwiebeln. Das Originalrezept sah 700 g Zucker vor – ich nehme nur die Hälfte. Dazu kommen 100 g Salz, 400 ml Weinessig (10 %ig) und 1 Mokkalöffel Kaliumdisulfit (auch bekannt als Weinkamm oder Kaliumpyrosulfit), das die Knackigkeit des Gemüses langfristig erhält.
Die Zubereitung ist denkbar einfach:
- Das Gemüse fein hobeln – ich habe dafür eine extra Schüssel reserviert, die für nichts anderes genutzt wird.
- Alle übrigen Zutaten gut vermischen, auflösen und über das Gemüse gießen.
- Gründlich durchmengen, leicht durchkneten, dann abgedeckt 24 Stunden ziehen lassen, damit das Gemüse seinen Saft abgibt und die Aromen sich voll entfalten können.
- Anschließend in saubere, sterilisierte Gläser füllen – fertig für das Vorratsregal.
Mythen und Ängste: Was es mit Essig und Kaliumdisulfit auf sich hat
Viele schrecken beim Stichwort Kaliumdisulfit zurück. Dabei ist es genau dieser Zusatz, der dafür sorgt, dass die Mixed Pickles nach Monaten noch herrlich knackig bleiben und nicht weich werden. Kein anderer Stoff erreicht diesen Effekt so zuverlässig.
Und die 400 ml Essig? Klingt viel, ist es aber nicht. Denn das Gemüse gibt beim 24-stündigen Ziehen so viel Flüssigkeit ab, dass der Essig auf natürliche Weise stark verdünnt wird. Das Ergebnis ist eine angenehme, ausgewogene Säure – und beim Servieren gießt man die Flüssigkeit ohnehin ab.
Natürlich schwören viele heute auf fermentiertes Gemüse – völlig zu Recht, ich fermentiere selbst auch. Aber dieses hausgemachte Einleggemüse ist unvergleichlich natürlicher und ehrlicher als industrielle Produkte aus dem Supermarkt, die oft voller Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren stecken.
Und wenn du sogar Gemüse aus dem eigenen Garten verwenden kannst? Dann hebt das das ganze Rezept auf ein völlig neues Level.
Familienrezepte sind keine Heiligtümer. Man muss sie nicht museumswürdig bewahren oder sentimental verklären. Aber es ist ein schönes Gefühl, etwas im Vorratsregal stehen zu haben, das man mit eigenen Händen gemacht hat – und das bei jedem geöffneten Glas leise daran erinnert, woher man kommt. Auch wenn beim stundenlangen Hobeln gelegentlich der eine oder andere Kommentar über die Verwandtschaft fällt.
Kann ich statt grüner Tomaten auch reife verwenden?
Grüne Tomaten eignen sich besser, weil sie fester sind und beim Einlegen ihre Struktur behalten. Reife Tomaten werden beim Ziehen oft zu weich und matschig.
Wie lange sind die Mixed Pickles haltbar?
In sterilisierten, gut verschlossenen Gläsern und kühl gelagert halten sie problemlos mehrere Monate – oft bis weit in den Winter hinein. Das Kaliumdisulfit trägt maßgeblich zur langen Knackigkeit bei.
Muss ich den Essig wirklich abgießen, bevor ich das Gemüse esse?
Ja, empfehlenswert ist es. Das Gemüse hat nach dem Ziehen seinen Eigengeschmack voll entwickelt. Die überschüssige Lake wird einfach abgetropft – das Gemüse selbst schmeckt dann ausgewogen und keineswegs zu sauer.
Kann ich die Zuckermenge nach meinem Geschmack anpassen?
Absolut. Das Rezept funktioniert auch mit weniger Zucker sehr gut, wie der Artikel zeigt. Wichtig ist nur, Zucker nicht ganz wegzulassen, da er zur Aromenharmonie beiträgt.











