Der Kleiderschrank ist der einzige Raum in der Wohnung, den man jeden Morgen zweimal aufmacht und über den man trotzdem nie richtig nachdenkt. Bis zu dem Tag, an dem man mit halbnasser Wimperntusche vor einer Stange steht, drei Leinenkleider zur Seite schiebt und feststellt, dass die einzige Strickjacke, die man tragen möchte, unten in einer Kiste liegt. September ist genau der Moment, das zu ändern – nicht mit einer großen Ausmistaktion, sondern mit einem System, das auch im November noch hält.
Erst leeren, aber bitte nur eine Kategorie pro Abend
Der klassische Fehler ist die Totalräumung am Samstagmorgen: Nach zwei Stunden liegt das ganze Schlafzimmer voll, die Energie ist weg, und abends wandert alles ungeordnet zurück. Besser funktioniert der Kategorie-Abend. Heute nur Oberteile, morgen nur Hosen, übermorgen Strick. 45 Minuten pro Runde reichen.
Dabei gilt eine einzige Frage, und sie lautet nicht „gefällt es mir noch?", sondern: „Habe ich das in der letzten Saison getragen, in der es dran war?" Wenn nein, wird nachgehakt – passt es nicht, kratzt es, braucht es eine Reparatur, oder fehlt einfach das passende zweite Teil? Aus dieser Antwort entstehen drei kleine Stapel: reparieren, kombinieren üben, abgeben. Alles, was zu „abgeben" gehört, kommt sofort in eine Tasche und diese Tasche in den Flur, nicht zurück in den Schrank.
Die Zonenregel: Was du täglich trägst, hängt in Griffhöhe
Ordnung nach Farben sieht schön aus und funktioniert im Alltag oft schlecht. Sortiere lieber nach Griffhäufigkeit. In die mittlere Zone, also alles zwischen Hüfte und Augenhöhe, kommt die Arbeits- und Alltagsgarderobe der kommenden acht Wochen: Jeans, Hosen, Blusen, zwei bis drei Strickteile, ein Blazer. Oben lagert Selteneres wie Festliches und Mützenkörbe. Unten stehen Schuhe und schwere Kisten.
Innerhalb der mittleren Zone hilft eine zweite Unterteilung nach Anlass statt nach Kleidungsart: eine Handbreit für Bürotage, eine für Wochenende, eine für Sport und Zuhause. So sieht man morgens sofort, welche Kombination fertig ist. Strick wird grundsätzlich gefaltet, nicht gehängt, sonst zieht das Eigengewicht die Schultern lang. Blazer, Hemden, Kleider und alles mit Struktur hängen – am besten auf breiten Bügeln, die die Schulterform stützen.
Sommersachen einlagern, ohne sie zu ruinieren
Der wichtigste Satz beim Einlagern: nichts Ungewaschenes. Unsichtbare Reste von Sonnencreme, Deo oder Schweiß oxidieren über den Winter und werden im Frühjahr zu gelblichen Rändern, die sich kaum noch entfernen lassen. Also alles waschen oder lüften, vollständig trocknen lassen und erst dann verpacken.
Verpackt wird in Stoff, nicht in Plastikfolie: Baumwollbeutel, alte Kissenbezüge oder Boxen mit Deckel, die Luft lassen. Leinen und Baumwolle vertragen Falten gut, Seide und Viskose legt man locker und mit möglichst wenig Knicken. Wolle und alles mit Naturfasern freut sich über ein Säckchen Lavendel oder ein Stück Zedernholz – beides regelmäßig auffrischen, sonst wirkt es nach ein paar Monaten nur noch dekorativ. Und: Boxen beschriften. „Sommer leicht" und „Sommer Kleider" spart im Mai eine Viertelstunde Suchen.
Wie oft sollte ich meinen Kleiderschrank wirklich umräumen?
Zweimal im Jahr reicht völlig, jeweils dann, wenn du merkst, dass du morgens an der Hälfte der Teile vorbeischiebst – meist im März und im September. Alles andere ist Pflege im Kleinen: einmal pro Woche die Bügel gerade ziehen, den Wäschekorb leeren, kaputte Teile in die Reparaturecke legen.
Hilfreich ist ein fester Termin im Kalender, sonst geschieht es nie. Zwei Abende in der Woche, an der du ohnehin zu Hause bist, genügen für den kompletten Wechsel inklusive Einlagern.
Was mache ich mit Teilen, von denen ich mich nicht trennen kann?
Dafür gibt es die Vielleicht-Kiste. Alles, was du weder tragen noch weggeben kannst, kommt hinein, die Kiste wird mit dem heutigen Datum beschriftet und in den Keller oder oben in den Schrank gestellt. Wenn du in sechs Monaten kein einziges Teil daraus vermisst hast, gehst du die Kiste ein zweites Mal durch – meist fällt die Entscheidung dann leicht.
Und für die echten Erinnerungsstücke, das Kleid von einem besonderen Tag oder die Jacke der Großmutter: Die dürfen bleiben, gehören aber nicht in die tägliche Zone. Sie leben besser in einer eigenen Stoffbox, gut verpackt und klar als das benannt, was sie sind – Andenken, keine Garderobe.











