Mein Schmuckkästchen ist ein ehrliches Tagebuch. Die Kette, die ich täglich trage, glänzt. Die Ohrringe meiner Großmutter liegen seit zwei Jahren dunkelgrau in einer Schachtel, weil ich immer dachte, das sei ein Fall für den Juwelier. Ist es meistens nicht. An einem Abend, an dem sowieso nichts Großes passiert, kann man den halben Kasten wieder in Ordnung bringen – wenn man vorher sortiert, statt alles in dieselbe Schüssel zu werfen.
Erst sortieren, dann putzen
Leg alles auf ein Handtuch und mach vier Häufchen. Erstens: massives Silber ohne Steine, oft mit einem kleinen Stempel gekennzeichnet. Zweitens: versilberte Stücke und Modeschmuck mit dünner Beschichtung. Drittens: Gold, ob massiv oder vergoldet. Viertens: alles mit Perlen, Opal, Türkis, Bernstein, Koralle oder geklebten Steinen. Diese Sortierung ist der eigentliche Trick, denn fast jeder Schmuckschaden zu Hause entsteht dadurch, dass eine Methode auf das falsche Material trifft. Beschichtungen sind hauchdünn – was Silber wieder blitzen lässt, kann versilberte Ware ruinieren.
Silber: warm, sanft, geduldig
Der Grauschleier auf Silber ist kein Schmutz, sondern eine Reaktion mit Schwefel aus der Luft, aus Kosmetik, aus Eiern oder Zwiebeln. Leichtes Anlaufen bekommst du mit einem Silberputztuch weg, ohne jede Flüssigkeit: einfach in kleinen Bahnen polieren, das Tuch nicht auswaschen. Für Ketten und verwinkelte Stücke nimm eine Schüssel mit handwarmem Wasser, einem Tropfen mildem Spülmittel und eine sehr weiche Zahnbürste. Danach klar abspülen und wirklich trocken reiben, denn Restfeuchte ist der Anfang der nächsten Schicht.
Das bekannte Bad aus heißem Wasser, Natron und Alufolie funktioniert – aber nur für massives, glattes Silber ohne Steine, ohne Perlen, ohne Klebstellen. Es entfernt die Patina überall, also auch in den Vertiefungen von Ornamenten, wodurch ein Stück flach und billig wirken kann. Bei geschwärzten Designstücken oder Erbstücken mit bewusster Tiefenwirkung lässt man lieber die Finger davon. Zahnpasta, Scheuermilch und Backofenreiniger haben an Schmuck grundsätzlich nichts verloren: Sie hinterlassen feine Kratzer, die man erst im Licht sieht, wenn es zu spät ist.
Gold, Steine und alles Empfindliche
Gold läuft nicht an, es wird nur stumpf – von Handcreme, Seife, Hautfett und Staub. Ein Bad in lauwarmem Wasser mit ein wenig Spülmittel, zehn Minuten, dann vorsichtig mit einer weichen Bürste um die Fassung herum arbeiten, abspülen, mit einem fusselfreien Tuch trocknen. Vergoldeter Schmuck bekommt nur ein feuchtes Tuch und niemals eine Bürste, sonst reibt sich die Schicht an den Kanten ab. Perlen wischst du nach dem Tragen mit einem weichen, leicht feuchten Tuch ab und legst sie flach hin; Essig, Zitrone, Alkohol und Ultraschallgeräte sind für sie und für weiche Steine wie Opal oder Türkis tabu. Bei einem wertvollen Erbstück mit gefassten Steinen gilt: lieber einmal beim Fachbetrieb reinigen lassen, als es selbst zu riskieren.
Damit es gar nicht erst wieder anläuft
Silber liebt Luftarmut. Bewahre es einzeln in kleinen Zipptütchen oder in einem gefütterten Kästchen auf, gern mit einem Stück Kreide oder einem Anlaufschutzstreifen darin. Schmuck kommt als Letztes an und als Erstes ab: erst Creme, Parfum und Haarspray, dann die Kette. Beim Duschen, Schwimmen, Sport und Putzen bleibt alles in der Schale. Und wer ein Stück täglich trägt, muss es kaum pflegen – Hautkontakt hält Silber erstaunlich gut in Form.
Wie reinige ich Ohrstecker, die ich jeden Tag trage?
Nimm sie einmal pro Woche heraus und lege sie kurz in lauwarmes Wasser mit einem Tropfen Spülmittel, danach mit einem weichen Tuch trocknen. Den Stecker selbst und die Rückseite des Verschlusses vorsichtig mit einem in Wasser getränkten Wattestäbchen abfahren, denn dort sammeln sich Hautschüppchen und Cremereste. Wenn das Ohrläppchen gereizt reagiert, gönn dir eine Trage-Pause und sprich bei anhaltenden Beschwerden mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Warum läuft mein Silber immer wieder so schnell an?
Meistens liegt es an der Umgebung: feuchte Badezimmerluft, Kontakt mit Gummi, Wolle, bestimmten Holzarten, Sonnencreme oder Parfum beschleunigen die Reaktion deutlich. Auch der eigene Hautschweiß spielt eine Rolle, weshalb dasselbe Stück bei zwei Personen unterschiedlich schnell dunkel wird. Trockene, luftdichte Aufbewahrung und ein kurzes Abreiben mit dem Poliertuch nach dem Tragen bringen mehr als jede große Reinigungsaktion alle zwei Jahre.











