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„Nach zwei Minuten hoffte ich, dass sie mich nicht nehmen“ – 3 Horror-Vorstellungsgespräche

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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„Nach zwei Minuten hoffte ich, dass sie mich nicht nehmen“ – 3 Horror-Vorstellungsgespräche — Lebensstil
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Ein Vorstellungsgespräch bedeutet für die meisten Menschen jede Menge Anspannung. Man legt sich die Antworten zurecht, überlegt, was man anzieht, will einfach nur einen guten Eindruck machen. Aber was passiert, wenn nicht die Bewerberin, sondern die Firma sich völlig danebenbenimmt?

Die folgenden drei Geschichten stammen von Menschen, deren Gespräch schnell in die falsche Richtung lief – und die am Ende nicht einmal traurig waren, als die Zusage ausblieb.

„Die HR-Frau weinte früher als ich“

„Ich hatte ein Gespräch bei einer mittelgroßen Marketingagentur“ – so beginnt die 29-jährige Dóra ihre Geschichte. Sie steckte damals selbst in einer schwierigen privaten Situation und hatte sogar am Morgen des Gesprächs noch im Bett geweint. Trotzdem riss sie sich zusammen, zog ihr Kostüm an und nahm sich vor, ihre beste Seite zu zeigen. Leider war ihre Gesprächspartnerin deutlich weniger professionell.

„Schon seltsam war, dass im Besprechungsraum Kerzen brannten. Die HR-Frau war sehr nett – aber irgendwie zu nett. Nach der ersten Frage, warum ich den Job wechseln wolle, fing sie plötzlich an zu weinen.

Sie sagte: ‚Entschuldigung, du erinnerst mich nur so sehr an jemanden, der uns verlassen hat.‘ Ich dachte, das sei eine Metapher. War es nicht.

Die nächsten zehn Minuten erzählte im Grunde nur sie von ihrer eigenen Trennung, von ihrem Konflikt mit dem Chef und davon, dass sie ‚niemandem mehr vertrauen könne‘. Ich saß nur da und versuchte, das Gespräch irgendwie zurück zur Stelle zu lenken.

Schon nach der zweiten Minute dachte ich: Ich hoffe, sie nehmen mich nicht. Am Ende haben sie sich nie wieder gemeldet – aber ehrlich gesagt hätte ich danach ohnehin nicht dort arbeiten wollen.“

Wer solche Erlebnisse hinter sich hat, kennt vielleicht auch das Gefühl, dass manche Jobs die Nerven jeden Tag aufs Neue strapazieren – und dass es sich lohnt, genau hinzuschauen.

„Der Chef hat sein eigenes Gespräch vermasselt“

„Ich hatte mich bei einer IT-Firma auf eine Junior-Stelle beworben“ – erzählt der 24-jährige Márk, der sein Studium erst kurz zuvor abgeschlossen hatte.

„Die ersten fünf Minuten liefen ganz normal, dann kam der Geschäftsführer herein. Sein erster Satz war: ‚Ich gehe eigentlich nie zu Vorstellungsgesprächen, weil ich normalerweise sofort entscheide.‘

Danach hielt er mir einen regelrechten Vortrag über seine eigene Firma. Als ich etwas zum Team fragte, sagte er nur: ‚Das Team ist ein Konzept, das völlig überbewertet wird.‘

Dann wollte er wissen, wie viel ich seiner Meinung nach verdienen sollte. Ich nannte eine Summe – woraufhin er laut lachte und meinte: ‚Wie süß.‘

Am Ende war es praktisch ich, der ihn befragte, warum es sich lohnen würde, dort zu arbeiten – überzeugen konnte er mich nicht. Das Verrückteste war: Er fand das alles völlig normal.“

„Am Ende kam heraus: Es war gar nicht diese Stelle“

„Ich hatte mich als Finanzassistentin beworben und wurde zu einem Online-Interview eingeladen“ – berichtet die 33-jährige Anita.

„Schon am Anfang war es merkwürdig, dass die Fragen sehr allgemein waren und gar nicht wirklich mit Finanzen zu tun hatten. Es ging eher darum, wie ich mit Stress umgehe und was ich von ‚Hierarchie‘ halte.

Dann fragte die HR-Person plötzlich, ob ich ‚völlig offen für ein ganz neues Aufgabengebiet‘ sei.

Ich sagte, das komme darauf an, was genau gemeint sei.

Erst da kam heraus, dass es sich in Wahrheit um eine Kundenservice-Stelle im Schichtbetrieb handelte, eine Art Callcenter-Job – nur hatte sich, als sie die Stelle so ausgeschrieben hatten, schlicht niemand beworben.

Am seltsamsten war, dass sie, als ich sagte, ich hätte mich gar nicht auf diese Stelle beworben, antworteten: ‚Uns ging es eher um deine Persönlichkeit, nicht um deine Vorurteile.‘

Toll, dachte ich – ich wollte aber eigentlich die Stelle sehen, wegen der ich überhaupt da war.“

Was sagen diese Geschichten über Vorstellungsgespräche aus?

Sie zeigen vor allem eines: Ein Bewerbungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Nicht nur die Firma prüft dich – auch du prüfst die Firma. Und manchmal ist ein katastrophales Gespräch das ehrlichste Signal, das du bekommen kannst.

Warum ist es kein schlechtes Zeichen, ein solches Gespräch nicht zu bestehen?

Weil ein unprofessionelles Verhalten im Interview oft ein Vorgeschmack auf den Arbeitsalltag ist. Wie Dóra und Márk erlebt haben, kann eine Absage in solchen Fällen sogar eine Erleichterung sein.

Wie erkenne ich schon im Gespräch Warnsignale?

Achte darauf, wer eigentlich redet: Wenn die andere Seite nur über sich spricht, ausweichend antwortet oder das Team offen abwertet – wie in diesen drei Geschichten –, sagt das viel über die Unternehmenskultur aus.

Sollte ich zu einem Gespräch gehen, obwohl ich einen schlechten Tag habe?

Dóras Erfahrung zeigt, dass man auch in einer schwierigen Phase seine beste Seite zeigen kann. Manchmal liegt das eigentliche Problem gar nicht bei einem selbst, sondern auf der anderen Seite des Tisches.

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