Kaum ein Thema taucht in diesem Herbst so verlässlich am Küchentisch auf wie die Frage, wann man eigentlich aufhören darf zu arbeiten. Die öffentliche Debatte dreht sich dabei fast ausschließlich um Jahrgänge, Abschläge und Prozentpunkte. Verständlich. Nur: Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Kollege nach dem Abschiedskuchen plötzlich still wurde, weiß, dass die Zahl im Bescheid nur die halbe Geschichte ist. Die andere Hälfte heißt: Was machst du am ersten Dienstagmorgen, an dem dich niemand mehr braucht?
Warum die Zahl allein nichts über das Gefühl sagt
Arbeit liefert viel mehr als Geld. Sie liefert einen Grund aufzustehen, Menschen, die dich erwarten, Aufgaben mit einem sichtbaren Ende und eine Antwort auf die Frage, was man so macht. All das verschwindet an einem einzigen Tag. Die finanzielle Seite wird in der Regel sorgfältig durchgerechnet, oft über Jahre. Die biografische Seite wird selten geplant, und genau deshalb erleben viele Menschen die ersten Monate als Mischung aus Erleichterung und einem leisen Gefühl von Überflüssigkeit.
Es hilft, sich das früh einzugestehen. Nicht, um Angst zu machen, sondern um die Vorbereitung dorthin zu verschieben, wo sie wirklich wirkt: in den Alltag. Wer mit siebenundfünfzig anfängt, Beziehungen und Interessen außerhalb des Jobs zu pflegen, hat später etwas, in das er hineinwachsen kann. Wer erst am letzten Arbeitstag beginnt, startet bei null.






