Bien Logo

„Warum bekommt sie ein Kind, wenn sie sich nicht mal ein Auto leisten kann?“ – Ehrliche Einblicke von Müttern mit Kleinkindern

Angela Fischer4 Min. Lesezeit
Teilen:
„Warum bekommt sie ein Kind, wenn sie sich nicht mal ein Auto leisten kann?“ – Ehrliche Einblicke von Müttern mit Kleinkindern — Familie
In diesem Artikel

Mein Kind ist geboren, und seitdem verstehe ich nicht, warum Mütter nicht auf die Straße gehen und protestieren. Die ehrliche Geschichte einer Mutter, die von der harten Realität des Mutterseins überrascht wurde.

Der Körper

Ich habe während der Schwangerschaft viel zugenommen und war stark angeschwollen. Meine Mutter, Schwiegermutter, Tante, Nachbarinnen, die Gemüsehändlerin und überall sonst meinten kritisch, dass es nicht gut sei, so viel zuzunehmen. Meine Schwester hat ihre Schwangerschaft durchgehend erbrochen und hat in den ersten Monaten sogar abgenommen. Da haben dieselben Frauen ihr vorgeworfen, dass sie zu dünn sei und nicht genug zunehme.

Woher nehmen diese Frauen nur den Mut, den Körper anderer zu kritisieren – und warum lassen wir das zu?

Überheblichkeit

Warum ist es immer noch normal, dass Mütter, die per Kaiserschnitt entbunden haben, von Frauen, die natürlich geboren haben, herabgesetzt werden? Und wenn das Thema aufkommt, warum wird dann gefragt, warum ich mich so entschieden habe? Es war nicht aus „Eitelkeit“, sondern medizinisch notwendig – aber warum sollte ich das auf dem Spielplatz mit gelangweilten Müttern teilen? Das geht niemanden etwas an…

Hilfsbereitschaft

Ich habe nicht erwartet, dass alle ausflippen, nur weil ich ein Kleinkind habe, aber die Gleichgültigkeit der Gesellschaft ist erschreckend. Man lässt mich nicht vor, gibt mir keinen Sitzplatz, hilft nicht, den Kinderwagen in den Bus zu heben. Bei letzterem habe ich hinter mir zwei Mädchen flüstern hören: „Warum bekommt sie ein Kind, wenn sie sich nicht mal ein Auto leisten kann?“

Müde Mutter mit Kopf im Wäschekorb

Papa

Ich war die ganze Woche mit dem Baby zu Hause, habe alle drei Stunden gestillt und wenn es nicht trank, hat es den ganzen Tag geschrien. Ich fühlte mich wie ein Zombie, weil ich nachts kaum mehr als ein paar Stunden schlief, und ich konnte das Wochenende kaum erwarten, damit mein Mann mir endlich hilft. Doch der besagte Mann murrte, als ich ihn am Samstagmorgen weckte, und sagte, er habe die ganze Woche gearbeitet und verdiene es, „am Samstag bis mittags zu schlafen.“

Vor Erschöpfung konnte ich nur noch hysterisch lachen. Ich fragte ihn, ob ihm nicht auffällt, wie viel Arbeit ich die ganze Woche ohne Schlaf zu Hause leiste?! Ich schob ihn aus dem Schlafzimmer, sagte ihm, ich pumpe Milch ab, und wenn er es wagt, mich zu wecken, bringe ich ihn um. Als ich mich bei meinen Freundinnen beklagte, sagten sie, ich hätte Glück, denn ihre Männer helfen ihnen überhaupt nicht bei der Kinderbetreuung.

Die Hilfe

Als ich schwanger war, hörte ich von vielen Leuten, ich solle mich melden, wenn ich etwas brauche. Doch als ich sie wirklich um Hilfe bat, verschwanden sie wie vom Erdboden. Meine Freundin konnte nicht mal anderthalb Stunden auf das Baby aufpassen – wenn ich etwas erledigen wollte –, weil sie sich mit Säuglingen nicht auskennt und Angst hat, ihm zu schaden. Meine Schwiegermutter sagte, sie habe keine Zeit, weil sie mit dem Bus nach Österreich fährt. Meine Tante meinte, sie käme deshalb nicht vom Land hoch, und meine Schwester sagte, ich hätte das Kind gewollt, ich solle es selbst regeln.

Da wurde mir klar, wie sehr Mütter allein gelassen werden.

Müde Mutter mit ihrem Säugling im Arm

Nicht so

Ich frage niemanden, trotzdem bekomme ich ständig ungebetene Ratschläge, und egal was ich tue, es ist nie richtig. Wenn ich das Baby schreien lasse, ist das falsch, wenn nicht, auch. Wenn ich ihm das gebe, was ich gebe, ist es nicht gut, wenn ich etwas anderes gebe, warum dann nicht das. Wenn ich es bei Kälte rausnehme, erkältet es sich, wenn nicht, bekommt es kein Immunsystem. Wenn ich die Katze zu ihm lasse, wird es krank, wenn nicht, wird es allergisch.

Kein Tag vergeht, an dem ich nicht widersprüchliche – aber gut gemeinte – Ratschläge bekomme.

Erwartungen

Ich versuche, ein kleines Lebewesen am Leben zu halten, ich weiß nicht mal, was ich tue – denn ich mache das zum ersten Mal in meinem Leben – und trotzdem erwarten alle von mir, dass ich genauso bin wie vorher. Genauso hübsch, fröhlich, informiert und aktiv.

Die Erwartungen an Mütter sind völlig unrealistisch, und das habe ich erst verstanden, seit ich selbst Mutter bin.

Passende Artikel

„Du dachtest, deine Mutter oder dein Mann bringen dich am meisten auf die Palme – und dann kam das Kind." – Dinge, die jeder Elternteil fühlt, aber kaum ausspricht — Familie

„Du dachtest, deine Mutter oder dein Mann bringen dich am meisten auf die Palme – und dann kam das Kind." – Dinge, die jeder Elternteil fühlt, aber kaum ausspricht

Elternsein ist nicht einfach, besonders wenn wir nicht über die Herausforderungen sprechen. Mutterschaft ist nicht immer so idyllisch, wie wir es nach außen zeigen.

Angela Fischer
„Komm, nimm was, egal ob legal oder nicht!“ – Lustige Sprüche, die ich von gebärenden Frauen gehört habe — Familie

„Komm, nimm was, egal ob legal oder nicht!“ – Lustige Sprüche, die ich von gebärenden Frauen gehört habe

Im Kreißsaal hören Pflegekräfte oft tragikomische Dinge. Hier sind ein paar unvergessliche Momente, die gebärende Frauen zum Besten gaben.

Angela Fischer
Mutterschaft vs. Karriere: „Nach drei Monaten bin ich wieder arbeiten gegangen – und habe es nie bereut." — Familie

Mutterschaft vs. Karriere: „Nach drei Monaten bin ich wieder arbeiten gegangen – und habe es nie bereut."

Wie lange zuhause bleiben, wann zurück in den Job? Frauen erzählen offen, warum sie sich früh für die Rückkehr in den Beruf entschieden haben – und was sie dabei gelernt haben.

Angela Fischer
Mehr Kinder als geplant macht Eltern unglücklicher – das zeigt eine neue Studie — Familie

Mehr Kinder als geplant macht Eltern unglücklicher – das zeigt eine neue Studie

Mehr Kinder bedeutet nicht automatisch mehr Glück. Eine neue Studie zeigt: Entscheidend ist, ob die Familiengröße den eigenen Wünschen entspricht.

Barbara Weber
„Ein Kind ist kein Kind" – Warum nicht das Geschwisterchen, sondern die ausgeglichene Mutter das Kind glücklich macht — Familie

„Ein Kind ist kein Kind" – Warum nicht das Geschwisterchen, sondern die ausgeglichene Mutter das Kind glücklich macht

Familienglück hängt nicht von der Kinderzahl ab, sondern davon, wie präsent und ausgeglichen Eltern sein können. Eine persönliche Betrachtung über gesellschaftlichen Druck und bewusste Entscheidungen.

Elisabeth Müller
Müssen unangenehme Verwandte wirklich zur Hochzeit eingeladen werden? — Familie

Müssen unangenehme Verwandte wirklich zur Hochzeit eingeladen werden?

Die Hochzeitsliste wird zum Minenfeld, sobald schwierige Verwandte ins Spiel kommen. Aber muss man wirklich jeden einladen – oder darf man Grenzen setzen?

Barbara Weber