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Was mir eine Fahrrad-Demo beibrachte: Glück muss man nicht verdienen – man muss es einfach zulassen

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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Was mir eine Fahrrad-Demo beibrachte: Glück muss man nicht verdienen – man muss es einfach zulassen — Lebensstil

Meinungsartikel von Barbara Weber

Ich bin nicht die Sorte Mensch, die entspannt durch den Stadtverkehr radelt. Mein Partner schon – er navigiert mit einer Selbstverständlichkeit durch die Straßen, die mir ehrlich gesagt ein bisschen Respekt einflößt. Ich hingegen schaue dem Treiben meistens vom Gehweg aus zu. Trotzdem sind wir auch dieses Jahr wieder gemeinsam zur IBikeBudapest-Fahrraddemonstration gefahren. Weil ich mir eine Stadt wünsche, in der auch zaghafte Menschen wie ich sich sicher aufs Rad trauen.

Dabei hatte ich kaum geübt. Und trotzdem saß ich diesmal viel ruhiger im Sattel als noch im Vorjahr. Weniger Sorgen, ob ich die Kurven sauber nehme. Weniger Grübeln darüber, wo mein Platz im Pulk ist. Was letztes Jahr schon schön war, war dieses Mal etwas ganz anderes: echte, unverfälschte Freude.

Die Sonne schien. Die Andrássy út – sonst eine der meistbefahrenen Boulevards der Stadt – lag ruhig und weit vor uns, frei von Autos, fast feierlich. Das Überqueren der Donau war ein kleines Highlight. Und der Tunnel: Wir fuhren lachend und jubelnd hinein, so wie alle anderen auch, als wären wir plötzlich Teil eines gemeinsamen, kindlichen Abenteuers.

Und in diesem Moment fühlte ich mich leichter. Offener. Glücklicher als seit langer Zeit.

Aber das Schönste waren nicht die spektakulären Momente. Es waren die Menschen. Alle lächelten. Alle waren aus demselben Grund dort. Und das war spürbar – in der Stimmung, im Miteinander. Niemand drängte, niemand war ungeduldig. Wer langsamer war, dem wurde Raum gelassen. Wer unsicher wirkte, dem wurde geholfen. Wir haben uns gegenseitig getragen – als echte Gemeinschaft.

Auf dem Heimweg stellte ich mir eine Frage

Was war da eigentlich passiert? Ich hatte kein besonderes Ziel erreicht. Keine Leistung erbracht. Nichts „verdient" im klassischen Sinne. Ich war einfach nur da gewesen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Wir neigen dazu, Glück an Bedingungen zu knüpfen. Ich bin glücklich, wenn ich das erreiche. Wenn ich es schaffe. Wenn ich etwas beweise. Wenn ich es mir erarbeitet habe. Solche Freude existiert – und sie ist wertvoll. Es ist schön, stolz auf sich zu sein, Ergebnisse zu sehen, Fortschritte zu spüren.

Aber diese Art von Glück hat auch eine Kehrseite: Es kann verloren gehen. Es hängt immer von etwas ab, das gelingen muss. Und wenn es nicht gelingt, scheint die Möglichkeit des Glücks gleich mit zu verschwinden.

Bei der Fahrraddemonstration gab es keine solchen Bedingungen. Kein Müssen, kein Beweisen, kein Ergebnis. Nur Präsenz. Bewegung, Gemeinschaft, Sonnenlicht, Lachen.

Und das reichte vollkommen.

Glück als Möglichkeit, nicht als Belohnung

Was mich dieser Tag gelehrt hat: Glück ist nicht immer eine Belohnung. Es wartet nicht zwingend am Ende eines langen Weges auf uns. Manchmal ist es einfach da – zum Greifen nah. In einem gemeinsamen Erlebnis, in einer Bewegung, in einer Stimmung.

Und mit dem Leben selbst haben wir auch schon die Möglichkeit bekommen, glücklich zu sein. Nicht ununterbrochen, nicht makellos – aber immer wieder, in immer anderen Formen.

In der Natur. In Gemeinschaft. In Bewegung. Oder in einem ganz gewöhnlichen Augenblick, dem wir einfach erlauben, uns zu berühren. Manchmal darf es auch sein, dass wir daraus nichts machen wollen. Kein Ergebnis, keine Erkenntnis, keine Produktivität. Nur das Erleben selbst.

Das Leben ist voll von Aufgaben und Pflichten – das lässt sich nicht ändern und muss es auch nicht. Aber die freien Momente gehören uns. Und in ihnen ist Platz für Leichtigkeit. Für Verspieltheit. Für Freude ohne Zweck.

Es wird nicht immer gelingen. Aber es hilft schon zu wissen: Wir dürfen es. Wir dürfen uns Glück erlauben, ohne es vorher verdient haben zu müssen.

Niemand weiß mit Sicherheit, wozu wir hier sind. Aber dass der Sinn des Lebens zumindest zum Teil darin besteht, Glück zu erleben – das klingt für mich nach keiner schlechten Antwort auf eine sehr alte Frage.

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