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„Wenn ich ein Hobby habe, bin ich eine schlechte Mutter – aber bei meinem Mann ist es seine Leidenschaft" – Der alltägliche Doppelstandard

Szőke Angéla5 Min. Lesezeit
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„Wenn ich ein Hobby habe, bin ich eine schlechte Mutter – aber bei meinem Mann ist es seine Leidenschaft" – Der alltägliche Doppelstandard — Lebensstil
In diesem Artikel

Es gibt Dinge, die uns so vertraut sind, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Der Doppelstandard zwischen Männern und Frauen gehört dazu – er ist allgegenwärtig, tief verwurzelt und manchmal so banal, dass man fast darüber lachen könnte. Wenn man nicht so wütend wäre.

Temperament oder Hysterie?

Eine Frau hebt die Stimme, weil sie wütend ist. Sofort rollen die Augen. Sie gilt als hysterisch, überdramatisch, schwierig. Ein Mann hingegen schlägt die Faust in die Wand, schreit seine Kollegen an, verliert die Kontrolle wie ein tobendes Kleinkind – und niemand zuckt mit der Wimper.

Er ist eben „temperamentvoll". Leidenschaftlich. Ein Mann, der weiß, was er will. Dieselbe Emotion, zwei völlig verschiedene Urteile – je nach Geschlecht.

Sport und Selbstfürsorge

Als unsere Zwillinge klein waren, war mein Mann „verantwortungsbewusst", wenn er ins Fitnessstudio ging. Er sorgte für sich. Als ich dasselbe tat, war ich plötzlich „egoistisch" – weil mir meine Figur offenbar wichtiger war als meine Kinder.

Gleiche Handlung. Gleiche Situation. Völlig unterschiedliche Bewertung.

Körper, Zahl, Urteil

Seit jeher wird darüber geredet, mit wie vielen Menschen jemand geschlafen hat. Für einen Mann gilt: Je mehr, desto besser. Er wird bewundert, beneidet, beglückwünscht. Ein hoher „Body Count" macht ihn zum Helden.

Bei einer Frau sieht die Sache anders aus. „Viele" bedeutet für viele Männer bereits: mehr als drei. Ja, drei. Wer darüber liegt, wird mit einem Wort abgestempelt, das hier nicht wiederholt werden muss – und das Urteil der Gesellschaft folgt auf dem Fuß.

Geld und Motive

Ein Mann, dem Geld wichtig ist, heißt zielstrebiger Geschäftsmann. Eine Frau mit denselben Prioritäten? Goldgräberin. Kein weiterer Kommentar nötig.

Kinderlos und glücklich?

Ein Mann, der keine Kinder und keine Ehe will, ist ein bewundernswerter freier Geist. „Er hat recht!", heißt es dann. Eine Frau, die dasselbe sagt, wird bemitleidet – oder als verbitterte Einzelgängerin abgestempelt, die das später noch bereuen wird.

Das Alter und seine Doppelmoral

Einer meiner persönlichen „Favoriten" im Thema Doppelstandard ist das Altern. Carrie Fisher – die unvergessliche Prinzessin Leia – hat es einmal so treffend formuliert:

„Männer altern nicht besser als Frauen. Ihnen wird das Altern nur erlaubt." – Carrie Fisher

Graue Schläfen beim Mann? Silberfuchs. Charmant, reif, attraktiv. Graue Haare bei einer Frau? Sie lässt sich gehen. Sie wirkt plötzlich alt. Dabei ist es exakt dasselbe biologische Phänomen – bewertet nach völlig verschiedenen Maßstäben.

Der unsichtbare Standard der Mutterschaft

Wenn eine Frau den Haushalt führt, die Kinder organisiert, Arzttermine koordiniert und den Alltag am Laufen hält, dann macht sie das Selbstverständliche. Kein Applaus, kein Lob – das wird schlicht erwartet.

Wenn ein Mann einmal abwäscht und abends ein Bilderbuch vorliest, wird er gefeiert wie ein Held des Alltags. Väter werden für das Minimum gelobt, das Müttern nicht einmal als Leistung angerechnet wird.

Durchsetzungsvermögen im Job

In einem Meeting widerspricht ein Kollege – nennen wir ihn Thomas – lautstark und mit erhobenem Zeigefinger. Eine kleine Diskussion entsteht, er hält seinen Standpunkt vehement durch, auch wenn er am Ende nicht recht hatte. Seitdem respektieren ihn alle mehr. Er weiß eben, was er will.

Eine Woche später bringt eine Kollegin – nennen wir sie Anna – einen sachlichen Einwand vor. Sie schreit nicht, zeigt nicht mit dem Finger, bleibt professionell. Trotzdem wird sie hinter ihrem Rücken als „schwierig" bezeichnet. Dabei hatte sie sogar recht. Aber eine Frau, die klar Stellung bezieht, gilt schnell als unangenehm – egal wie sachlich sie argumentiert.

Das Hobby, das alles verändert hat

Das hier ist kein konstruiertes Beispiel. Das ist meine Geschichte.

Als ich mit meinem ersten Kind in Elternzeit war, hatten mein Mann und ich vorher ausgemacht: Wir geben uns selbst nicht auf, nur weil wir jetzt Eltern sind. Ich spiele seit Jahren leidenschaftlich Tischfußball – Turniere, Training, das ganze Programm. Mein Mann läuft. Beides ist uns wichtig.

Nach der Geburt unseres Kindes bekam er von Verwandten und Nachbarn zu hören, warum er es „zulässt", dass ich weiter zum Tischfußball gehe, anstatt beim Kind zu bleiben. Dass er weiter laufen ging? Kein Thema. Denn alle wussten: Das ist seine Leidenschaft.

So lernte ich es am eigenen Leib: Wenn ich ein Hobby habe, bin ich eine schlechte Mutter. Wenn mein Mann eines hat, lebt er seine Leidenschaft.

Dieselbe Handlung. Zwei Urteile. Ein Geschlecht verliert immer.

Wann hört das auf?

Vielleicht ist der erste Schritt, diese Doppelmoral sichtbar zu machen – sie zu benennen, laut auszusprechen und nicht mehr stillschweigend hinzunehmen. Denn was nicht ausgesprochen wird, verändert sich nicht.

Erkennst du diese Doppelstandards in deinem eigenen Leben?

Die Beispiele in diesem Artikel sind keine Ausnahmen – sie sind Alltag für Millionen von Frauen. Wenn du dich in einer dieser Situationen wiedererkannt hast, bist du nicht allein. Und das Benennen ist der erste Schritt.

Warum werden Frauen für dasselbe Verhalten anders bewertet als Männer?

Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und Männer sind historisch gewachsen und tief verankert. Was bei Männern als Stärke oder Normalzustand gilt, wird bei Frauen oft als Normabweichung wahrgenommen – das zeigen die Beispiele im Artikel deutlich.

Ist es wirklich noch so schlimm – oder übertreiben wir?

Die Beispiele in diesem Artikel sind keine theoretischen Szenarien, sondern gelebte Erfahrungen. Von der Bewertung von Emotionen bis hin zum Hobby als Mutter: Der Doppelstandard zeigt sich im Kleinen, jeden Tag.

Was kann ich tun, wenn ich selbst mit diesem Doppelstandard konfrontiert werde?

Sichtbar machen hilft – sowohl im Gespräch mit dem Partner als auch im Freundes- oder Familienkreis. Wer den Doppelstandard benennt, macht ihn angreifbar. Das verändert keine Gesellschaft über Nacht, aber es verändert das unmittelbare Umfeld.

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