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Die Geheimnisse eines langen Lebens: Erkenntnisse aus fünf Ländern, von denen wir lernen können

Elisabeth Müller5 Min. Lesezeit
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Die Geheimnisse eines langen Lebens: Erkenntnisse aus fünf Ländern, von denen wir lernen können — Familie
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Wenn es um ein langes Leben geht, denken wir meist automatisch an Bewegung und Ernährung. Ken Stern hingegen – der seit Jahren die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und lebensstilbedingten Aspekte des Alterns erforscht – begann bewusst woanders.

In seinem neuesten Buch (Healthy to 100) und einem Bericht bei CNBC untersuchte er, was Menschen langfristig aktiv, gesund und mental stark hält. Die Antwort liegt laut seinen Ergebnissen viel mehr in Beziehungen, der Einstellung zur Arbeit und einem zielgerichteten Leben.

Bei der Auswahl der Länder gibt es klare Überschneidungen mit den Erkenntnissen der Blauen Zonen. Stern forschte in Japan, Südkorea, Singapur – und um Beispiele aus unserer Nähe zu haben – auch in Italien und Spanien. Diese Länder schneiden bei der Anzahl gesunder Lebensjahre deutlich besser ab als etwa die USA oder Ungarn. Perfekt sind sie dennoch nicht! Genau deshalb boten sie einen idealen Untersuchungsrahmen…

Wenn es dort funktioniert, wo es auch schwierig ist – warum nicht bei uns?

Singapur ist heiß, überfüllt und geprägt von Leistungsdruck, in Spanien sind Übergewicht und Rauchen weit verbreitet, Japan altert schnell und Südkorea kämpft mit einer extremen Arbeitskultur. Diese Bedingungen ähneln in vielerlei Hinsicht denen, die wir hier in Mitteleuropa, in Ungarn, erleben. Zudem arbeiten bei uns viele über 60 aus Notwendigkeit, nicht aus Freude oder Praktikabilität. Gleichzeitig steht die breite Sandwich-Generation zwischen Job, älteren Eltern und Teenagern unter Druck. Stress geht oft mit unregelmäßiger Ernährung, Bewegungsmangel und Schlafdefizit einher – und dem Gefühl, keine Zeit zum Durchatmen zu haben. Sterns Erfahrung zeigt jedoch: Entscheidend ist nicht die Perfektion der Umstände, sondern wie eine Gesellschaft darauf reagiert.

Ältere Dame sitzt allein auf der Veranda in einem Schaukelstuhl

Altern ist keine Grenze, sondern der Beginn eines neuen Lebensabschnitts

Eine der wichtigsten Erkenntnisse seiner Forschung war, dass Altern in den untersuchten Ländern nicht an eine Zahl gebunden wird. Nicht mit 60 oder 65 ist „etwas vorbei“ – der Ruhestand markiert den Start eines neuen Kapitels. Stern selbst erkannte, dass ihm nach 60 realistisch noch 20 aktive Jahre bevorstehen – und diese Zeit möchte er bewusst gestalten, nicht einfach treiben lassen.

Früher half er anderen, ihre Geschichten zu erzählen, später merkte er, dass auch er etwas zu sagen hat. Er schreibt Bücher, produziert Podcasts und Inhalte – nicht aus Pflicht, sondern weil er sich als wertvolles Mitglied der Gesellschaft sieht und keinen Grund sieht, warum die nächsten 20 Jahre weniger wert sein sollten als die vorherigen. So entstand für ihn ein zentraler Aspekt des langen Lebens:

Es zählt nicht, wie alt du bist, sondern ob du noch Pläne, eine Rolle und einen Platz in der Welt hast.

Ältere Frau im Wellnessbereich in einem Bademantel

Arbeit, aber nicht aus Zwang

Stern traf in Japan ältere Menschen, die neben ihrer Rente in Teilzeit arbeiten – etwa in der Süßwarenproduktion, Buchhaltung oder als Fremdenführer. Dabei fiel ihm auf, dass die Arbeit nicht nur ein zusätzliches Einkommen brachte, sondern den Älteren auch Kraft gab: Ihre Aufgaben boten Struktur, soziale Kontakte und Selbstwertgefühl.

Das steht im starken Gegensatz zu dem, was viele hierzulande erleben: Arbeit ist oft lebenslang, erschöpfend und Teil einer Überlebensstrategie.

Für Stern ist die eigentliche Frage nicht, ob wir im Alter arbeiten, sondern wie. Statt Alles-oder-Nichts gibt es einen nachhaltigen Mittelweg – und wo dieser fehlt, sollte er gesellschaftlich geschaffen werden.

Wenn Generationen wirklich zusammenkommen

In Japan und Südkorea sah Stern Gemeinschaftsräume, in denen die Altersgruppen nicht getrennt werden. Das ist hierzulande eher unüblich. In Kanazawa unterrichten und engagieren sich Ältere, verbringen wertvolle Zeit mit jungen und beeinträchtigten Menschen. In mehreren Ländern beobachtete er, dass Generationenverbindungen keine nette Geste, sondern eine bewusste Strategie sind. Studien belegen, dass solche Verbindungen die mentale und körperliche Gesundheit stärken, Einsamkeit verringern und das Gefühl „Ich bin nützlich“ zurückgeben. Genau das nehmen moderne Gesellschaften oft zu früh weg.

Gemeinsame Zeit tut nicht nur Älteren gut, sondern gibt jüngeren Generationen Stabilität, Vorbilder und Lebenserfahrung. Beziehungen reduzieren generationsbedingte Ängste, lösen Isolation auf und helfen, Altern realistischer zu sehen – nicht als Verfall, sondern als andere Lebensweise.

Familie zusammen: Großmutter, Tochter und Enkelin, Porträt

Beziehungen jenseits des Bildschirmlärms

In Italien fiel Stern besonders auf, wie anders der Rhythmus gemeinsamer Zeit ist. Mahlzeiten sind entspannt, das Handy bleibt bei Treffen meist in der Tasche, und Gespräche wirken dadurch echter und tiefer.

Eine jahrzehntelange Harvard-Studie zeigt: Qualitative menschliche Beziehungen sind wichtiger für ein langes, gesundes Leben als Geld oder Karriere.

Stern meint, eine der größten Herausforderungen moderner Gesellschaften ist nicht der Mangel an Informationen, sondern dass wir zu selten wirklich präsent im Leben anderer sind.

Älteres Liebespaar

Lernen, solange es einen Grund gibt

In Südkorea ist lebenslanges Lernen ein verfassungsmäßiger Wert – und diese Haltung war überall spürbar. Für Stern wurde klar: Lernen hält nicht nur den Geist frisch, sondern schafft auch Gemeinschaften – besonders, wenn es persönlich und nicht online stattfindet. Neue Fähigkeiten, Neugier und menschliche Verbindung bilden ein mentales Schutznetz, das hilft, sich an Veränderungen anzupassen.

Was lernen wir daraus? Stern sagt: Ein langes Leben hängt nicht von Wundermitteln oder strengen Diäten ab, sondern davon, wie eine Gesellschaft mit menschlichen Beziehungen umgeht. Für ein glückliches Alter braucht es keine perfekten Bedingungen, sondern Lösungen, die realistisch sind – und Raum schaffen, damit jeder Lebensabschnitt Sinn hat.

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