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Wo früher Züge fuhren: Herbstausflüge auf stillgelegten Bahntrassen

Sofia Marlowe4 Min. Lesezeit
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Wo früher Züge fuhren: Herbstausflüge auf stillgelegten Bahntrassen — Reisen
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Es gibt diese Meldungen, die man kurz liest und dann doch behält: irgendwo eine alte Eisenbahnbrücke, irgendwo ein Bahnhof, in dem heute nicht mehr Fahrkarten, sondern Suppe und Kuchen ausgegeben werden. Genau daran habe ich gedacht, als ich mir das erste Septemberwochenende freigehalten habe. Denn stillgelegte Bahnstrecken sind für mich die unterschätzteste Ausflugsidee des Herbstes: still, flach, gut beschildert – und voller kleiner Geschichten, die man mit dem Auto nie mitbekommt.

Warum alte Bahntrassen im Herbst besser sind als jeder Panoramaweg

Züge mögen keine Steigungen. Deshalb wurden Bahnstrecken über Jahrzehnte so gebaut, dass sie sich in sanften Kurven durch die Landschaft ziehen, Täler mit Viadukten überspannen und Berge lieber durchqueren als überwinden. Genau diese Bauweise macht die späteren Rad- und Wanderwege so angenehm: Man tritt gleichmäßig, kommt nicht ins Schnaufen und kann sich stattdessen umschauen. Wer schon einmal mit Kindern, mit einem müden Knie oder einfach ohne sportlichen Ehrgeiz unterwegs war, weiß, wie viel Erholung in einem Weg ohne Rampen steckt.

Im Herbst kommt dazu, dass diese Strecken oft von altem Baumbestand gesäumt sind. Die Böschungen wurden nie bebaut, das Laub liegt schwer und golden auf dem Asphalt, und in den Einschnitten hängt morgens Nebel wie in einem Bühnenbild. Bekannte Beispiele gibt es in vielen Regionen: die Vennbahn im Grenzgebiet zwischen Eifel und Belgien, der Maare-Mosel-Radweg auf einer früheren Bahnstrecke, die Nordbahntrasse mitten durch Wuppertal. Wer bei der Tourismusinformation seiner Region nach „Bahntrassenradweg“ fragt, findet fast überall etwas in erreichbarer Nähe.

So planst du den Tag, damit er wirklich entspannt bleibt

Der schönste Trick bei einer Bahntrasse ist derselbe wie früher: hinfahren, zurückfahren lassen. Viele dieser Wege verlaufen parallel zu einer noch aktiven Regionalbahn. Ich plane deshalb meist eine Strecke in eine Richtung – zwanzig, dreißig Kilometer mit dem Rad, oder acht bis zwölf Kilometer zu Fuß – und komme mit dem Zug zurück. Vorher lohnt ein Blick, ob Fahrräder im Regionalzug mitgenommen werden dürfen und ob am Wochenende genügend Verbindungen fahren; im ländlichen Raum ist der letzte Zug oft früher, als man denkt.

Zweiter Punkt: die Einkehr. Alte Bahnhofsgebäude sind heute häufig Cafés, Radlerstationen oder kleine Museen – aber eben oft mit eingeschränkten Öffnungszeiten, gerade außerhalb der Hochsaison. Ich rufe kurz an oder schaue nach, ob es an einem Dienstag im September überhaupt offen hat, und packe ansonsten selbst etwas ein. Eine Thermoskanne, zwei belegte Brote, ein Apfel: Auf einer sonnenwarmen Steinbank an einem stillgelegten Bahnsteig schmeckt das ohnehin besser als jedes Menü.

Kleine Details, die den Unterschied machen

Tunnel sind auf ehemaligen Bahnstrecken keine Seltenheit, und manche sind länger und dunkler, als das Tageslicht am Eingang vermuten lässt. Ein Fahrradlicht oder eine kleine Taschenlampe gehört deshalb auch bei bestem Wetter ins Gepäck. Im Herbst kommt die Nässe dazu: Laub auf Asphalt kann in Kurven rutschig sein, und in Einschnitten bleibt es feucht, wo nebenan längst alles trocken ist. Langsamer fahren ist hier kein Verzicht, sondern der eigentliche Punkt der Sache.

Und dann sind da die Spuren: Kilometersteine im Gras, ein rostiges Signal, gemauerte Widerlager einer Brücke, die es nicht mehr gibt. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, liest die Landschaft plötzlich anders. Ich mache mir inzwischen ein Foto von jeder Infotafel und schaue abends in Ruhe nach, was dort gestanden hat. Das ist der Teil, der aus einem Ausflug einen Nachmittag macht, an den man sich im Winter noch erinnert.

Lohnt sich so eine Tour auch ohne eigenes Rad?

Ja, sogar sehr. Viele Bahntrassen lassen sich wunderbar zu Fuß gehen, weil sie durchgehend befestigt und beschildert sind – man sucht keinen Weg, man geht einfach los. In größeren Orten entlang der Strecke gibt es außerdem oft Verleihstationen; wer dort fragt, bekommt meist auch gleich den Tipp, welcher Abschnitt gerade am schönsten ist.

Was packe ich für einen Herbsttag auf der Trasse ein?

Schichten statt einer dicken Jacke: Am Morgen ist es in den schattigen Einschnitten deutlich kühler als in der Mittagssonne auf dem Viadukt. Dazu Licht für die Tunnel, etwas zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen, ein geladenes Handy für den Rückfahrplan – und Handschuhe, wenn du mit dem Rad unterwegs bist, denn kalte Finger am Lenker verderben mehr Touren als Regen.

Über die Autorin

Sofia Marlowe

Sofia Marlowe schreibt über Reisen, Essen und die kleinen Wellness-Routinen, die ein Flugticket überleben. Sie jagt langsamen Wochenenden, Marktfunden und Hotels nach, an die man sich wegen des Frühstücks erinnert — und macht daraus etwas, das am Samstag tatsächlich umsetzbar ist. Dies ist ein KI-gestütztes Autorenprofil; unsere Redaktion prüft alle Inhalte.

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