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Verlobung auf dem Empire State Building: Die schwindelerregende Netflix-Doku, die mehr über uns verrät als über Wolkenkratzer

Nyul Debóra6 Min. Lesezeit
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Verlobung auf dem Empire State Building: Die schwindelerregende Netflix-Doku, die mehr über uns verrät als über Wolkenkratzer — Freizeit
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Titelbild: TUDUM by Netflix

Manche Liebesgeschichten beginnen mit einem romantischen Abendessen, einer gemeinsamen Reise oder einer schicksalhaften Begegnung. Andere werden Hunderte Meter über dem Boden geschrieben – auf dem Dach eines Wolkenkratzers.

Die Netflix-Dokumentation Skywalkers: A Love Story gewährt einen Einblick in die besondere, für viele kaum nachvollziehbare Welt von Angela Nikolau und Ivan „Vanya" Beerkus. Die beiden gehören zu jenen jungen Menschen, die auf den höchsten Gebäuden der Welt atemberaubende Aufnahmen machen – oft mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen und unter enormem Risiko.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein extremer Abenteuerfilm. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto klarer wird: Es geht nicht nur um die Höhe, sondern um zwei Menschen, die aus irgendeinem Grund das Gefühl haben, immer „noch höher hinaus" zu müssen.

Nicht die Höhe ist die eigentliche Frage, sondern das, was uns antreibt

Die eindrucksvollsten Momente des Films sind zweifellos jene, in denen Angela und Ivan auf dem Dach der Welt stehen. Doch die eigentliche Kraft der Geschichte liegt nicht allein in diesen atemberaubenden Szenen. Viel spannender sind die Augenblicke, die uns dieser ungewöhnlichen Lebensform näherbringen und zeigen, was hinter ihren Entscheidungen stecken könnte.

Denn unweigerlich stellt sich die Frage: Warum begibt sich jemand freiwillig in so gefährliche Situationen?

Die Antwort ist vermutlich nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Es kann Freiheitsdrang sein, Neugier, Adrenalin, Selbstausdruck – und vielleicht auch ein tieferes Bedürfnis, sich zu beweisen.

Man kommt kaum umhin, sich zu fragen, wie viel davon mit der eigenen Vergangenheit zu tun hat. In der Geschichte von Angela und Ivan schwingt jenes nur allzu vertraute Gefühl mit, wenn jemand beweisen möchte: „Ich bin hier, ich zähle, ich bin zu etwas fähig."

Wir können nicht mit Sicherheit sagen, welche Rolle ihre Vergangenheit dabei spielt, wie sie heute leben. Doch die menschliche Erfahrung zeigt, dass frühe Erlebnisse, Schwierigkeiten und das Bedürfnis nach Anerkennung uns oft ein Leben lang begleiten. Manche suchen still ihren Platz in der Welt, andere wollen so hoch hinaus, dass sie jeder bemerkt.

Natürlich wissen wir nicht genau, was in ihnen vorgeht. Aber vielleicht ist genau das eine der faszinierendsten Fragen des Films: Ist die Eroberung von Wolkenkratzern in Wahrheit nicht das sichtbare Zeichen eines viel tieferen inneren Kampfes?

Wenn hinter dem extremen Risiko psychologische Motive stehen

Psychologen erforschen seit Langem, warum manche Menschen Situationen suchen, die andere lieber meiden würden.

Das sogenannte Reizsuchverhalten (Sensation Seeking) beschreibt das besonders starke Verlangen nach neuen, intensiven und komplexen Erfahrungen. Laut dem klinischen Psychologen Kenneth Carter, Professor an der Emory University, bedeutet ein hohes Maß an Reizsuche nicht einfach, dass jemand die Gefahr liebt: Diese Menschen suchen oft eher das intensive Erlebnis, das die Bewältigung einer echten Herausforderung mit sich bringt.

Das hilft, auch die Welt von Angela und Ivan besser zu verstehen. Die entscheidende Frage für sie war vielleicht nicht nur, wie hoch sie hinaufkommen können, sondern auch, wer sie dort oben sein können.

Eine Liebe, in der Vertrauen über Leben und Tod entscheidet

Eine der spannendsten Ebenen von Skywalkers ist ihre Beziehung selbst.

In einer gewöhnlichen Partnerschaft bedeutet Vertrauen, dass man sich an einem schweren Tag, in einem Konflikt oder bei einer wichtigen Entscheidung aufeinander verlassen kann. Bei Angela und Ivan jedoch erreicht das Vertrauen eine ganz andere Dimension.

Wenn jemand auf dem Dach eines mehrere Hundert Meter hohen Gebäudes steht, ist die Anwesenheit des anderen nicht nur emotionaler Halt, sondern Teil des Sicherheitsgefühls.

Regisseur Jeff Zimbalist sagt, in der Liebe steckt immer das Risiko, verletzt zu werden. Bei Angela und Ivan zeigt sich diese Gefahr jedoch nicht nur im emotionalen Sinne: Hier kann buchstäblich ihr Leben davon abhängen.

Faszinierender Anblick, aber gefährliches Vorbild

Skywalkers ist zweifellos ein faszinierender Film. Die Bilder sind wunderschön, die Schauplätze unglaublich, und es fällt schwer, den Mut nicht zu bewundern, mit dem Angela und Ivan ihren Ängsten begegnen.

Und dennoch ist es wichtig, Bewunderung und Nachahmung voneinander zu trennen.

Solche Gebäudebesteigungen sind extrem gefährlich und können nicht nur das Leben derjenigen aufs Spiel setzen, die sie ausführen, sondern auch andere in Gefahr bringen. Mit den Folgen eines möglichen Unglücks müssen sich auch Rettungskräfte, Sicherheitspersonal oder Unbeteiligte auseinandersetzen.

Die eigentliche Frage des Films ist vielleicht nicht, wie weit wir zu gehen wagen, sondern warum wir überhaupt so weit gelangen wollen. Skywalkers regt dazu an, über die eigenen Beweggründe nachzudenken: Was suchen wir in Herausforderungen, und wem wollen wir eigentlich etwas beweisen?

Nicht die Höhe ist die größte Tiefe

Skywalkers: A Love Story ist nicht einfach die Geschichte zweier waghalsiger Menschen. Es ist vielmehr ein Film darüber, wie wir versuchen, uns selbst zu finden, wie wir uns nach Verbindung sehnen und wie wir jene Ängste zu überwinden versuchen, die in uns leben.

Man kann die Welt von Angela und Ivan zugleich faszinierend und beängstigend finden. Man kann ihre Beweggründe nachvollziehen und trotzdem wissen: Diese Kunststücke sind lebensgefährlich und keine nachahmenswerten Beispiele.

Vielleicht ist es genau das, was diese Dokumentation so fesselnd macht. Sie fragt uns nicht, wie hoch wir hinaufkommen, sondern: Wonach suchen wir eigentlich, wenn wir um jeden Preis über unsere eigenen Grenzen hinauswollen?

Worum geht es in der Netflix-Doku „Skywalkers: A Love Story"?

Der Film begleitet Angela Nikolau und Ivan Beerkus, ein Paar, das auf den höchsten Gebäuden der Welt spektakuläre Aufnahmen macht. Im Kern geht es weniger um Extremsport als um Selbstfindung, Vertrauen und die Frage, was Menschen zu solchen Grenzerfahrungen antreibt.

Warum suchen manche Menschen so extreme Risiken?

Laut dem Psychologen Kenneth Carter steckt oft ein hohes Maß an Reizsuche dahinter. Diese Menschen lieben nicht einfach die Gefahr, sondern das intensive Erlebnis, das die Bewältigung einer echten Herausforderung mit sich bringt.

Welche Rolle spielt Vertrauen in der Beziehung des Paares?

Vertrauen erreicht hier eine ganz andere Dimension als in einer gewöhnlichen Partnerschaft. Auf dem Dach eines Wolkenkratzers wird die Anwesenheit des Partners nicht nur zum emotionalen Halt, sondern zum Teil der eigenen Sicherheit – im wörtlichen Sinne kann das Leben davon abhängen.

Ist der Film als Vorbild gedacht?

Nein. So faszinierend die Bilder auch sind, die gezeigten Besteigungen sind lebensgefährlich und kein nachahmenswertes Beispiel. Der Film selbst legt nahe, Bewunderung und Nachahmung klar voneinander zu trennen.

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