Zwanzig Minuten, jeden Abend am selben Ort
Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung an einem festen Anker, nicht durch Vorsätze. Such dir einen Platz, der nur fürs Lesen da ist: ein Sessel, eine Ecke des Sofas, die Seite des Bettes mit einer warmen Leselampe. Stell dir einen Timer auf zwanzig Minuten. Zwanzig Minuten sind kurz genug, dass du sie auch an einem verkorksten Dienstag findest, und lang genug, dass du in den Text hineinrutschst – die ersten fünf Minuten fühlen sich fast immer zäh an, das ist normal und kein Zeichen, dass das Buch schlecht ist.
Wer mit Kindern, Schichtdienst oder einem chronisch vollen Kopf lebt, verlegt das Fenster: zehn Minuten im Bus, eine Viertelstunde in der Mittagspause, sonntagvormittags eine halbe Stunde, während die anderen noch schlafen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Menge.
Du darfst Bücher abbrechen
Der größte Leseblocker ist die Vorstellung, jedes begonnene Buch zu Ende bringen zu müssen. Dadurch liegt ein ungeliebter Wälzer wochenlang auf dem Nachttisch und verhindert alles, was danach kommen könnte. Gib dir eine klare Regel: Nach etwa fünfzig Seiten entscheidest du. Zieht es dich weiter, bleib dabei. Wenn nicht, leg es weg – ohne schlechtes Gewissen und ohne Urteil über dich oder das Buch. Vielleicht ist es einfach nicht dein Jahr dafür.





