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Warum mich Kritik früher tagelang aus der Bahn geworfen hat – und heute nicht mehr

Schuster Borka5 Min. Lesezeit
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Warum mich Kritik früher tagelang aus der Bahn geworfen hat – und heute nicht mehr — Lebensstil
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Meinungsartikel: Schuszter Borka

Wenn mich vor ein paar Jahren jemand kritisierte, hörte ich selten das, was es wirklich war. In meinem Kopf war das keine Beobachtung, keine Rückmeldung und kein bedenkenswerter anderer Blickwinkel – sondern ein Beweis. Ein Beweis dafür, dass ich nicht gut genug bin.

Sagte jemand, an einem meiner Texte ließe sich noch etwas verbessern, verstand ich: Ich bin schlecht in dem, was ich tue. Sprach jemand einen Fehler an, fühlte ich mich als Person abgelehnt – nicht die eine Entscheidung oder das eine Verhalten, um das es gerade ging.

Ein einziger Satz konnte mich tagelang aus der Bahn werfen. Ich fühlte mich wertlos, unwissend oder talentlos und hätte mich am liebsten vor der ganzen Welt versteckt.

Typischerweise zerdachte ich alles wieder und wieder, spielte das Gespräch immer neu in meinem Kopf ab und versuchte herauszufinden, ob ich tatsächlich so ein schlechter Mensch, ein schlechter Kollege oder eine schlechte Freundin bin.

Heute funktioniere ich ganz anders

Nicht, weil Kritik plötzlich nicht mehr wehtut. Niemand hört gern, dass er etwas falsch gemacht hat. Auch mir ist das nicht angenehm.

Ich habe nur nicht mehr das Gefühl, dass eine Kritik automatisch über meine gesamte Persönlichkeit urteilt.

Bis dahin war es allerdings ein sehr langer Weg durch die Therapie. Erst dort habe ich wirklich verstanden, dass Kritik für viele von uns eigentlich gar nicht um die Gegenwart geht. Sondern um die Vergangenheit.

Darum, an welche Bedingungen Liebe in der Kindheit geknüpft war. Darum, wie sehr wir gelobt oder wie sehr wir getadelt wurden. Ob wir in Sicherheit Fehler machen durften – oder ob wir lernten, dass wir nur dann liebenswert sind, wenn wir immer gute Leistung bringen.

Wer so aufwächst, dass sein Selbstwert vollständig auf äußeren Rückmeldungen beruht, für den ist Kritik keine schlichte Information. Sondern eine Bedrohung.

Denn wenn mein Wert durch die Meinung anderer bestimmt wird, gefährdet jede negative Rückmeldung ein Stück weit meine ganze Identität.

Deshalb bricht es so viele Menschen bei einer scheinbar winzigen Bemerkung. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil innen noch kein stabiler Boden ist, der sie halten würde.

Auch ich musste lange daran arbeiten

Daran, einen inneren Kompass zu haben, der auch dann funktioniert, wenn ich von außen gerade keine Bestätigung bekomme. Zu wissen, nach welchen Werten ich lebe, worin ich gut bin, worin ich mich weiterentwickeln möchte und was mir wirklich wichtig ist.

Sobald diese inneren Grundlagen fester werden, landet auch die Kritik an einem ganz anderen Ort. Sie ist kein Urteil mehr, sondern nur noch Information. Natürlich ist nicht jede Information nützlich.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für mich, dass man zwischen konstruktiver und zerstörerischer Kritik unterscheiden muss.

Konstruktive Kritik ist konkret. Sie ist respektvoll. Sie bezieht sich auf eine bestimmte Situation oder ein Verhalten und enthält oft sogar einen Lösungsvorschlag. Ihr Ziel ist nicht, dich kleiner zu machen, sondern dir zu helfen, in etwas besser zu werden.

Zerstörerische Kritik hingegen verallgemeinert häufig, erniedrigt, klebt Etiketten auf oder will einfach nur verletzen.

Früher habe ich beides gleich behandelt

Ich habe beides geglaubt.

Heute versuche ich, mir ein paar einfache Fragen zu stellen: Ist etwas Wahres an dem, was ich höre? Kommt diese Rückmeldung von jemandem, dessen Meinung mir wichtig ist? Hilft mir das weiter – oder fühle ich mich dadurch nur schlechter?

Und wenn ich zu dem Schluss komme, dass an der Kritik etwas Wahres dran ist, versuche ich, sie als Geschenk zu behandeln. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich darüber freue. Nur, dass ich nicht mehr davonlaufe. Denn wenn jemand auf einen blinden Fleck zeigt, ist das eigentlich eine Chance, besser zu werden. Zu lernen. Es beim nächsten Mal anders zu machen.

Dafür braucht es allerdings, dass mein eigener Wert nicht von einer einzigen Meinung oder einem einzigen Fehler bestimmt wird. Denn keiner von uns wird weniger wert, weil er sich in etwas geirrt hat. Genauso wenig, wie wir zu schlechten Menschen werden, nur weil jemand mit uns unzufrieden ist. Heute fühle ich mich stabil genug, um zu entscheiden, welche Kritik es wert ist, gehört zu werden. Und stark genug, dass meine Schwächen mich nicht mehr erschrecken, sondern dass ich an ihnen arbeiten kann.

Warum trifft mich Kritik manchmal so tief?

Oft geht es dabei gar nicht um die Gegenwart, sondern um die Vergangenheit – etwa darum, ob Liebe in der Kindheit an Bedingungen und Leistung geknüpft war. Ruht der Selbstwert vollständig auf äußerer Bestätigung, wirkt Kritik wie eine Bedrohung der ganzen Identität.

Was ist der Unterschied zwischen konstruktiver und zerstörerischer Kritik?

Konstruktive Kritik ist konkret, respektvoll und bezieht sich auf eine bestimmte Situation, oft mit einem Lösungsvorschlag. Zerstörerische Kritik dagegen verallgemeinert, erniedrigt, klebt Etiketten auf oder will einfach nur verletzen.

Wie kann ich lernen, Kritik gelassener zu nehmen?

Es hilft, einen inneren Kompass aufzubauen: zu wissen, nach welchen Werten man lebt, worin man gut ist und was einem wichtig ist. Sobald diese inneren Grundlagen fester werden, wird Kritik zur Information statt zum Urteil.

Welche Fragen helfen mir bei einer Rückmeldung?

Drei einfache Fragen: Ist etwas Wahres an dem, was ich höre? Kommt es von jemandem, dessen Meinung mir wichtig ist? Und hilft es mir weiter – oder fühle ich mich dadurch nur schlechter?

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