Der Herbst ist die vielleicht ehrlichste Jahreszeit zum Reisen. Die großen Touristenströme haben sich verzogen, das Licht wird wärmer und weicher, und die Städte gehören endlich wieder den Menschen, die wirklich dort sein wollen. Das Beste daran: Diese fünf Ziele lassen sich spontan buchen – ein langes Wochenende reicht völlig aus.
Girona, Spanien: die bunten Häuserzeilen am Fluss
Nur eine Stunde mit dem Zug von Barcelona entfernt, und trotzdem fährt der Großteil der Reisenden einfach daran vorbei. Girona ist ein echtes Juwel: Der Fluss Onyar teilt die Altstadt in zwei Hälften, und die rosa, gelben und ockerfarbenen Fassaden entlang seiner Ufer leuchten im Herbstlicht besonders intensiv. Das mittelalterliche jüdische Viertel El Call mit seinen engen Gassen und die 94 Stufen zur Kathedrale verlangen bequeme Schuhe. Wer früh aufsteht und vor den ersten Reisebussen da ist, hat die Stadt ganz für sich allein.
Colmar, Frankreich: Weinlese im Herzen des Elsass
Colmar sieht mit seinen malerischen Fachwerkhäusern das ganze Jahr über aus wie aus einem Bilderbuch – aber im Herbst, zur Weinlesezeit, erwacht die Stadt zu besonderem Leben. In den umliegenden Dörfern wie Riquewihr oder Eguisheim finden dann kleine Weinfeste statt, bei denen die Winzer frischen Traubenmost und reife Trauben direkt vom Feld anbieten. Im sogenannten „Kleinen Venedig", dem Viertel entlang der Lauch, verliert man leicht das Gefühl für Zeit.
Der elsässische Herbst ist kein lautes Fest – eher ein stiller, weinschwerer Nachmittag, den man am besten zu zweit oder ganz für sich genießt.
Hallstatt, Österreich: spiegelglatter See und langsam ziehender Nebel
Im Sommer ist Hallstatt hoffnungslos überfüllt – doch ab Mitte September sinkt die Besucherzahl drastisch, während die Hänge rund um den See in sattem Rot und Gold aufleuchten. Morgens liegt Nebel auf dem Wasser, der sich erst gegen Mittag auflöst; bis dahin lohnt es sich, auf dem Skywalk auf den richtigen Moment zu warten. Die kleine Holzkirche und das Salzbergwerk sind einen halben Tag wert – aber der schönste Augenblick bleibt der, wenn der See vollkommen still ist und die umliegenden Berge darin wie ein Spiegelbild erscheinen.
San Gimignano, Italien: toskanische Türme zur Erntezeit
Die Toskana ist reich an wunderschönen Kleinstädten, doch San Gimignano mit seinen mittelalterlichen Türmen und den umliegenden Weinbergen hat im Herbst eine ganz besondere Magie. Genau jetzt findet die Ernte des lokalen Vernaccia-Weißweins statt, und die Restaurants der Stadt servieren die ersten Gerichte der Saison mit frischen Maronen und Pilzen. Vom Stadtwall aus betrachtet sinkt die Sonne über den Weinreihen so langsam, als würde die Landschaft selbst einen Gang zurückschalten.
Bled, Slowenien: der See der letzten warmen Tage
Der Bleder See ist im September noch angenehm warm zum Baden, während auf den Gipfeln der umliegenden Julischen Alpen bereits der erste Schnee liegen kann. Auf die Insel in der Seemitte gelangt man mit einem traditionellen Pletna-Ruderboot; dort warten eine kleine Kirche und ein ruhiges Café auf alle, die dem Sommertrubel entfliehen wollen. Der Uferweg lässt sich in rund einer Stunde umrunden – und im Herbst hat man ihn meistens fast für sich allein.
Einfach zu planen, günstiger als im Sommer
All diese Ziele sind ohne monatelange Vorplanung buchbar: Jedes ist gut von einem größeren Flughafen aus erreichbar, und die Unterkünfte sind im Herbst deutlich günstiger als im Juli oder August. Wer sich für eine dieser Städte entscheidet, kann außerdem ganz leicht die umliegenden Dörfer für einen Halbtagesausflug einplanen – der Aufwand ist minimal, der Gewinn enorm.
Welche europäische Kleinstadt lohnt sich im Herbst am meisten?
Das hängt vom eigenen Geschmack ab. Wer Weinkultur und Architektur sucht, ist in Girona oder Colmar ideal aufgehoben. Wer Natur und Stille bevorzugt, wird in Hallstatt oder Bled glücklich. San Gimignano verbindet beides – Kulturgeschichte und toskanische Landschaft – auf engstem Raum.
Braucht man für diese Reisen viel Zeit?
Nein. Alle fünf Orte eignen sich hervorragend für ein verlängertes Wochenende. Wer zwei oder drei Tage einplant, kann auch die umliegenden Dörfer und Weinregionen erkunden, ohne gehetzt zu sein.
Wann genau ist der beste Reisezeitpunkt im Herbst?
Die goldene Periode liegt meist zwischen Mitte September und Ende Oktober. Die Touristenzahlen sind dann deutlich geringer, das Wetter häufig noch mild, und das Licht hat genau jene warme Qualität, die diese Städte besonders fotogen macht.
Sind die Unterkünfte im Herbst wirklich günstiger?
Ja, spürbar. Im Vergleich zur Hochsaison im Juli und August sinken die Preise für Hotels und Ferienwohnungen an diesen Orten oft erheblich – bei gleichzeitig besserer Verfügbarkeit und ruhigerer Atmosphäre.










