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Nicht jeder Sommer muss der beste deines Lebens sein – und das ist okay

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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Nicht jeder Sommer muss der beste deines Lebens sein – und das ist okay — Lebensstil
In diesem Artikel
Meinungsartikel: Borka Schuster

Hör mal, ich weiß, dass du so um die Sommermitte langsam durchdrehst. Deshalb glaube ich, es ist Zeit, dass du das von jemandem hörst: Nicht jeder Sommer kann der beste deines Lebens sein. Sag es mit mir, du schaffst das. Nicht. Jeder. Sommer. Muss. Der. Beste. Sein.

Irgendwie landen wir jedes Jahr an demselben Punkt: Kaum wird es warm, spüren wir schon, dass der große Wettlauf um das perfekte Sommergefühl begonnen hat. Es reicht nicht mehr, den Sommer einfach nur zu zu erleben – man muss ihn maximal auskosten. Mit Erlebnissen. Mit Programmen. Mit Reisen. Sonnenuntergängen. Cocktails. Stand-up-Paddling. Picknicks. Festivals. Sonnenblumenfeldern.

Und das Ganze am besten so, dass es auch auf Instagram gut aussieht.

Der Sommer ist längst keine Jahreszeit mehr, sondern ein Projekt

Und die Medien assistieren dabei begeistert.

Kaum blinzeln wir zweimal, springt uns schon der Artikel entgegen, wie dieser Sommer garantiert dein „unvergesslicher Sommer" wird. Dann kommt die Liste mit den fünfzig unverzichtbaren Sommeraktivitäten. Danach die zehn Orte, die man dieses Jahr unbedingt gesehen haben muss. Und natürlich die Produkte, ohne die das alles angeblich völlig wertlos ist.

Selbstbräuner. Haarspray mit UV-Schutz. Ein neuer Badeanzug. Die limitierte Strandtasche. Die glitzernde Einhorn-Luftmatratze – denn ohne die ist Sommer eben kein richtiger Sommer.

Ohne all das ist es natürlich schlicht unmöglich, im August glücklich zu sein.

Manchmal kommt mir das Ganze ziemlich absurd vor. Als wolle uns jemand einreden, wir müssten in drei Monaten ein ganzes Leben nachholen. Und wenn es nicht klappt, dann haben wir bestimmt irgendetwas falsch gemacht.

Frau liest ein Buch, während sie vor der Terrassentür liegt

Was wäre, wenn wir kurz nicht auf die hören, die uns schon wieder etwas verkaufen wollen?

Denn darum geht es letztlich. Wir müssen nicht deshalb jedes Wochenende ein neues Erlebnis jagen, weil wir sonst schlechte Menschen mit einem ereignislosen Leben wären, sondern weil jemand möchte, dass wir für das Erlebnis ein neues Outfit kaufen, einen neuen Koffer, eine neue Sonnencreme oder gleich das nächste Erlebnispaket.

Der Sommer ist dabei das perfekte Marketinginstrument. Denn wer möchte nicht glücklich sein?

Nur haben wir es leider geschafft, Glück mit permanenter Aufregung zu verwechseln. Dabei ist das überhaupt nicht dasselbe.

Ich zum Beispiel kann mich an Sommer erinnern, in denen kaum etwas Besonderes passiert ist. Ich habe gearbeitet. Abends bin ich mit einem Eis in den Park um die Ecke gegangen. Manchmal waren wir am See. Manchmal nicht.

Es gab ein paar Grillabende mit Freunden, den einen oder anderen kleinen Ausflug, viele offene Fenster und Nachmittage vor dem Ventilator.

Frau frühstückt im Pyjama auf dem sonnigen Balkon

Auch das waren richtig gute Sommer. Sie haben es auf keine Bucketlist geschafft, sie sind kein filmreifer Montageschnitt geworden – aber ich habe mich wenigstens auch nicht zu Tode gestresst.

Was sich seit unserer Kindheit verändert hat: Heute sehen wir in den Sommer aller anderen hinein – oder glauben es zumindest. Und durch die sozialen Medien denken wir schnell, nur wir seien solche Loser, weil das größte Ereignis unseres Sommers darin besteht, endlich die Küche zu streichen – während alle anderen scheinbar gerade im perfekten Urlaub sind.

So wie im Dezember jeder das perfekte Weihnachten hat, im Januar jeder ein neues Leben beginnt, im Frühling jeder aufblüht und im Herbst jeder unter einer Decke Zimt-Latte trinkt. Na klar.

Ich glaube nicht, dass jede Jahreszeit irgendeinen Rekord brechen muss. Und schon gar nicht sollten wir das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben, nur weil wir dieses Jahr „nur" einen ruhigen Sommer hatten.

Nicht jeder Sommer kann der beste unseres Lebens sein. Aber jeder kann ein Sommer sein, den wir wirklich gelebt haben – statt uns die ganze Zeit zu fragen, ob wir ihn auch genug genießen.

Warum fühlt sich der Sommer heute so stressig an?

Weil aus einer Jahreszeit ein Projekt geworden ist. Überall begegnen uns Listen mit unverzichtbaren Aktivitäten, Reisezielen und Produkten – und schnell entsteht das Gefühl, wir müssten in drei Monaten ein ganzes Leben nachholen.

Ist ein ruhiger Sommer wirklich okay?

Absolut. Auch Sommer ohne große Höhepunkte können richtig gute Sommer sein. Sie landen nur nicht auf einer Bucketlist – und ersparen uns gleichzeitig eine Menge Stress.

Warum vergleichen wir unseren Sommer mit dem der anderen?

Weil wir durch die sozialen Medien ständig in den Sommer aller anderen hineinsehen – oder es zumindest glauben. So entsteht der Eindruck, alle hätten gerade den perfekten Urlaub, während wir nur die Küche streichen.

Was ist der Unterschied zwischen Glück und ständiger Aufregung?

Wir haben Glück oft mit permanenter Aufregung verwechselt, dabei ist beides nicht dasselbe. Ein Sommer, den wir wirklich erlebt haben, macht mehr Freude als einer, bei dem wir uns nur gefragt haben, ob wir ihn auch genug genießen.

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