Als kleines Mädchen habe ich in den bunten Hochglanzmagazinen zum ersten Mal ein Bild gesehen, das mir den Atem raubte: ein märchenhaftes Seeufer, umrahmt von eleganten Villen, üppigen Pflanzen und Bergen. Der Comer See. Und mein erster Gedanke war ganz klar – dieser Ort ist für Menschen wie mich unerreichbar.
Damals schrieb man vor allem deshalb über ihn, weil hier eine der berühmten Residenzen von George Clooney steht, die Villa Oleandra. Viel mehr wusste ich nicht über diesen besonderen Ort. Aber eines stand fest: Er schien in einer anderen Welt zu liegen.
Der Comer See wurde für mich lange mit purem Luxus gleichgesetzt. Elegante Hotels, Filmstars, exklusive Villen, traumhafte Urlaube. Dass ich selbst einmal ein paar Tage hier verbringen könnte, kam mir jahrelang gar nicht in den Sinn.
Dann wurde ich erwachsen, wir bereisten immer mehr Ecken Italiens – und Anfang dieses Jahres spürte ich: Jetzt ist der Moment gekommen, mir diesen alten Traum endlich zu erfüllen.
Als erstes Autoreiseziel in Italien würde ich ihn nicht empfehlen
Wer zum ersten Mal mit dem Auto nach Italien fährt, dem würde ich eher Triest oder die Gegend um den Gardasee ans Herz legen. Diese Ziele lassen sich meiner Meinung nach als „Einsteiger" leichter erkunden – und zeigen trotzdem ein echtes Stück italienisches Lebensgefühl.
Der Comer See entfaltet seinen Zauber erst richtig, wenn man beim Autofahren in Italien schon etwas Routine hat. Die Straßen rund um den See sind vielerorts eng und kurvig, die Gassen der Orte schmal, und auch das Parken ist nicht immer einfach. Der Verkehr verlangt also mehr Aufmerksamkeit.
Uns fiel auf, wie viele verkratzte und verbeulte Autos unterwegs waren. Und wir erlebten einige Situationen, in denen Fahrerinnen und Fahrer ziemlich unaufmerksam oder überaus forsch unterwegs waren. Gefährlich fanden wir die Reise nicht, aber volle Konzentration war Pflicht – vor allem auf schmalen Straßen und in belebten Orten.
All das muss dem Erlebnis aber überhaupt nicht schaden – man sollte es einfach wissen. Wer vorbereitet ankommt und keine Angst davor hat, sich manchmal auf wenige Zentimeter am Gegenverkehr vorbeizuquetschen, für den kann der Comer See schnell zu einem der schönsten Reiseziele Italiens werden.
Vorausschauende Planung hat sich enorm ausgezahlt
Unsere Reise Ende Juni hatte ich schon im Januar gebucht. Vorab legten wir ein Budget fest, das wir einhalten wollten, und begann entsprechend zu suchen.
Eine große Hilfe war, dass ich ein Buchungsportal nutzte, dessen Kartenansicht genau zeigte, in welchem Ort welche Preiskategorien verfügbar sind. So fand ich leichter die Unterkunft, die in Preis und Lage zu unseren Vorstellungen passte.
Wir verbrachten fünf Nächte in der Stadt Como, in einem voll ausgestatteten, klimatisierten Apartment. Eine Nacht kostete für uns beide rund 110 Euro. Es gab eine Waschmaschine, eine Küche und alles, was man braucht – was besonders praktisch war, da wir zuvor bereits fünf Nächte in den märchenhaften Cinque Terre verbracht hatten.
Ein bisschen überraschte es mich, dass man rund um den Comer See auch zu durchaus freundlichen Preisen eine Unterkunft findet. Wer früh bucht und bereit ist, ein wenig zu suchen, stößt auf wirklich gute Angebote.
Como war das perfekte Basislager
Das Apartment lag am Rand der Altstadt – ein riesiger Vorteil. Jeden Abend spazierten wir bequem ins Zentrum, schlenderten durch die stimmungsvollen Gassen, gönnten uns ein Eis, ein Glas Wein oder ließen uns zum Abendessen nieder.
Einen Nachteil gab es allerdings: Mit dem Auto durfte man hier nicht mehr hineinfahren, also stellten wir es in einem nahegelegenen bewachten Parkhaus ab. Für fünf Tage war das nicht gerade billig. Und trotzdem habe ich es nicht bereut.
Leider ist es keine Legende, dass es in manchen Teilen Italiens zu Autoaufbrüchen kommt. Wir haben mehrfach aufgebrochene Autos gesehen, und wir kennen persönlich jemanden, dem am helllichten Tag mitten in einer belebten Stadt das Auto auf einem unbewachten Parkplatz aufgebrochen wurde. Genau deshalb ist Sicherheit für mich etwas, bei dem ich nicht gern Kompromisse mache. Das Parkhaus bedeutete zwar spürbare Zusatzkosten, dafür war ich den ganzen Urlaub über entspannt.
Auch clever essen ist möglich
Como ist groß genug, um alle wichtigen Geschäfte zu finden. Gleich nach der Ankunft kauften wir ein: frisches Obst, etwas fürs Frühstück, italienische Pasta, Sauce und mehrere hochwertige Zutaten. So mussten wir nicht jede Mahlzeit im Restaurant lösen und genossen trotzdem die italienischen Aromen.
Ins Restaurant gingen wir natürlich auch, aber selbst das überließ ich nicht dem Zufall. Als Person mit Gluten- und Milchunverträglichkeit recherchiere ich vor jeder Reise, wo ich sicher essen kann. Italien hat sich auch in dieser Hinsicht wieder bewährt. Fast überall kannte man sich mit Glutenunverträglichkeit bestens aus, an mehreren Orten gab es glutenfreie Pasta und Pizza.
Eines meiner Lieblingsgerichte war ein Spaghetti mit Garnelen und Pesto, und die Tage ließen wir fast immer mit ein, zwei Kugeln hausgemachtem Eis ausklingen. In Como gibt es sogar mehrere komplett glutenfreie Eisdielen – das gab mir zusätzliche Sicherheit.
Und wenn ich schon die Unverträglichkeiten prüfte, warf ich immer gleich einen Blick auf die Bewertungen des jeweiligen Restaurants und darauf, mit welchen Preisen zu rechnen war. Das half uns, die typischen „Touristenfallen" zu umgehen.
Bellagio, Varenna und ein spontanes Bad
Schon vor der Abreise wusste ich: Bellagio und Varenna wollte ich unbedingt sehen.
Nach Bellagio fuhren wir mit dem Auto, parkten aber nicht direkt im Zentrum, sondern etwas weiter außerhalb, wo die Preise deutlich günstiger waren. Von dort spazierten wir in die Stadt und besuchten die wunderschönen Gärten der Villa Melzi.
Danach setzten wir mit der Fähre nach Varenna über. Der Garten der Villa Cipressi hat mich schlicht überwältigt. Die mediterranen Pflanzen, die über den See ragenden Terrassen und die ganze Atmosphäre waren einer der Höhepunkte der Reise.
Meine liebste Erinnerung aber knüpft sich an einen völlig spontanen Moment. An einem hübschen Uferabschnitt mit Treppenstufen gingen wir einfach hinunter zum See und schwammen eine Runde. In der Sommerhitze erwies sich dieses improvisierte Bad als besonders gute Idee – und wir steckten sogar ein paar andere Touristen an. Nach etwas Nachfragen sprangen auch sie ins Wasser.
Auch Nesso ist einen Abstecher wert
Wir statteten auch Nesso einen Besuch ab und schauten uns die berühmte Orrido di Nesso an. Die Schlucht, die alte Steinbrücke und das türkisblaue Wasser boten tatsächlich genau den Anblick, den ich von den Fotos kannte. Viele sprangen von hier ins Wasser, wir genossen lieber einfach die besondere Stimmung und spazierten durch den Ort.
Als schöne Überraschung fanden wir hier obendrein einen kostenlosen Parkplatz.
Ein wenig Planung macht den Unterschied
Vor fast jedem Programmpunkt schaute ich nach, wie man die Tickets am besten kauft, wo man sparen kann und welche Erfahrungen andere Reisende gemacht hatten. Ich sah Videos, las Bewertungen – und tat dasselbe bei der Auswahl der Restaurants. Schon allein, um Touristenfallen zu vermeiden und wirklich an Orte zu gehen, die ein gutes Erlebnis bieten.
Im Nachhinein bin ich überzeugt: Diese paar Stunden Planung haben uns eine Menge Geld, Zeit und Ärger erspart.
Der Comer See ist viel zugänglicher, als er auf den ersten Blick wirkt
Auf der Heimfahrt dachte ich darüber nach, wie merkwürdig es ist, dass ich diesen Teil Italiens als Kind für so unerreichbar hielt. Heute weiß ich: Der Comer See kann tatsächlich ein Luxusziel sein – aber er ist längst nicht nur das.
Wer rechtzeitig bucht, die Programme bewusst plant, Restaurants überlegt auswählt und zumindest ein paar Mahlzeiten in der Unterkunft selbst zubereitet, muss kein Vermögen ausgeben, um sich an diesem besonderen Ort rundum wohlzufühlen.
Was ich jedem raten würde, der zum ersten Mal an den Comer See reist
- Buche früh! Wer im Sommer reisen möchte, sollte schon im Januar oder Februar suchen – dann ist die Auswahl größer und die Preise sind oft günstiger.
- Schau nicht nur auf Luxushotels! In Como und den umliegenden Orten gibt es hervorragende Apartments mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Plane die Programme im Voraus! Es lohnt sich, Fährfahrpläne, Parkmöglichkeiten und Eintrittskarten vorab zu recherchieren.
- Lies Restaurantbewertungen! Ein paar Minuten Recherche helfen, Touristenfallen zu umgehen.
- Wenn du Unverträglichkeiten hast, keine Sorge! Mich als Person mit Gluten- und Milchunverträglichkeit hat Italien wieder komplett verzaubert – überall fand ich sichere und köstliche Gerichte.
- Lass Raum für Spontaneität! Einige meiner schönsten Erinnerungen sind Momente, die wir überhaupt nicht geplant hatten. Manchmal machen genau sie eine Reise unvergesslich.
Ist der Comer See wirklich bezahlbar?
Ja. Wer früh bucht, ein Apartment statt Luxushotel wählt und einige Mahlzeiten selbst zubereitet, kann den Comer See genießen, ohne ein Vermögen auszugeben. Eine Nacht kostete uns rund 110 Euro für zwei Personen.
Eignet sich der Comer See für die erste Autoreise nach Italien?
Eher nicht. Die engen, kurvigen Straßen und das knappe Parken verlangen Routine. Für Einsteiger sind Ziele wie Triest oder der Gardasee einfacher – der Comer See lohnt sich, wenn man beim Fahren in Italien schon etwas Erfahrung hat.
Welche Orte am Comer See sollte man unbedingt sehen?
Bellagio mit den Gärten der Villa Melzi und Varenna mit dem Garten der Villa Cipressi gehören zu den Höhepunkten. Auch Nesso mit der Orrido di Nesso ist einen Abstecher wert – dort gibt es sogar kostenlose Parkplätze.
Kann man am Comer See mit Lebensmittelunverträglichkeiten gut essen?
Ja. In Italien kennt man sich mit Glutenunverträglichkeit bestens aus, viele Lokale bieten glutenfreie Pasta und Pizza an. In Como gibt es sogar mehrere komplett glutenfreie Eisdielen.











